3. Leipziger Halbmarathon // 11.10.2015

Das Beste kommt zum Schluß.

Lange habe ich nach einer reißerischen Überschrift für diesen Wettkampfbericht gesucht, aber keine hätte es annähernd so gut beschrieben wie diese. Es war Spaß, Kampf, Willensstärke, gepaart mit der Freude am Laufen.

Der 3. Leipziger Halbmarathon, war eigentlich ein Ersatzwettkampf, denn die Anmeldung dafür ging zu einem Zeitpunkt raus, an dem ich nicht wusste ab das überhaupt klappt mit dem laufen und falls Berlin ins Wasser fällt, dass ich wenigstens noch irgendwas habe nach dem ich streben kann. Das es dann doch alles besser und anders kommt als im Vorfeld gedacht, hätte ich selbst nicht für möglich gehalten. Mein Körper und meine Gesundheit haben mitgespielt und nach dem Marathon fühlte ich mich fit genug auch noch den Halben zu laufen. Geplant war nix – O.K. ich gebe zu, mit einer Zeit um die 01:45:00 habe ich geliebäugelt, aber zugetraut und mit 42,195 km in den Beinen – nicht unbedingt. Die Freude am Laufen stand im Vordergrund und die hatte ich.

Völki

Das Wahrzeichen

Ausgabe

Startunterlagen im Eiltempo

Starterbeutel

Alles was benötigt wird.

Startnummer

Mehr als nur vier Ziffern. Nicht ganz zufällig.

Da dieser Wettkampf den Heimvorteil genoss war ich auch sehr entspannt was die ganze Startunterlagenabholung betraf. Ich bin am Tag vorher schnell mal vorbei gefahren und habe mir den “Starterbeutel”, der lediglich aus einem Umschlag und der Tüte für die Sachen bestand, abgeholt. Hier wurde schon die erste neue persönliche Bestzeit erzielt. Keine 30 Sekunden hat es gedauert und alles war in Sack und Tüten bzw. Umschlägen.

Das Wettkampfkribbeln war allerdings schon Tage vorher zu spüren. Ich freute mich riesig auf den Tag und träumte in den Nächten davor schon die wildesten Phantasien. Nach dem Marathon beließ ich es aber bei 3 lockeren Laufeinheiten bis max. 13km, 3 relativ lockeren Spinningrunden und einer Krafteinheit im Studio. Die Beine fühlten sich gut und fit an.

Wade

Freundlich zu Verfügung gestellt von Brooks - #runhappy

So ein Heimwettkampf hat noch einen weiteren Vorteil, man kann fast ausschlafen. Und da der Start erst für 10:00 Uhr angesetzt war, kroch ich gegen 07:15 Uhr aus dem Bett. Ein großer Espresso und vier Scheiben Toast mit Honig sollte reichen. Kurz noch die Wade präpariert und schon ging es Richtung Völkerschlachtdenkmal. Eines der Wahrzeichen von Leipzig und weit über die Grenzen bekannt. Das Thermometer zeigte kuschlige 1 Grad, aber der Himmel strahlte blau und die Sonne tat alles um ein bißchen Wärme zu spenden.

Zeit

Träumen sollte man unbedingt

Viel war am Startpunkt noch nicht los. War ja auch noch knapp 1,5 Std. Zeit, aber ich wollte mir die Parkplatzsuche ersparen. Ich schlenderte noch ein wenig in der Sonne, schielte mal mit einem Auge auf die Startpunkte, lief mich warm und entschied mich kurz vorm Kanonenschuß für die Weicheivariante – oben lang und kurz, unter kurz. Fix noch das Örtchen aufgesucht, Klamotten abgegeben und mit einem beherzten Sprung über die Gitter fünf vor zehn in die Aufstellung gepirscht. 3 Meter vor mir schwebte der Ballon mit den Zahlen 01:44:59 drauf. Ich ließ mich vom hin und her, des mit Luft befüllten Gummidings, hypnotisieren und anstecken. Noch ein paar Worte zum einheizen vom Moderator und es wurden die letzten 10 Sekunden runter gezählt. Punkt 10 Uhr ging es mit einem Kanonenschuß auf die 21 Km.

Strecke

Die Strecke, ©Christoph Wemtgen

Perfekter hätte diesen Laufbeginn kein Hollywoodfilm schreiben können. Von Anfang an war genügend Platz, kein drumherum schlängeln, kein abbremsen, keine Staus. Man war sofort im Flow und konnte sich auf sein Rennen konzentrieren. Zumindest ging es mir so. Dann kam noch ein weitere Aspekt hinzu. Schon auf dem ersten Kilometer hatte ich eine junge Dame an meiner Seite, die exakt das gleiche Tempo lief. Ihr Laufstil, so weit ich das beurteilen kann, war rund, flüssig – eine schön anzuschauender Vorfußstil. Ihre ganze Körpersprache ließ darauf schließen, das sie genau wusste was sie da tat… Die nächsten 18 Km wurden wir zu Laufpartnern.

Leider waren die ersten Kilometer so unspektakulär und bedeuten eigentlich den K.O. für jeden der versucht einen Bericht zu schreiben. Aber wie beim Laufen gebe ich natürlich nicht auf.

Sofort im Rennen gingen die ersten Kilometer “locker” dahin. Die Strecke bot ein welliges Profil, was aber bis auf den Abschnitt zur Hälfte keine große Bedrohnung darstellte. Anfangs liefen in unserem/ meinen Windschatten ein paar Gestalten die sich lautstark unterhielten. Ich spielte kurz mit dem Gedanken die Kanone vom Start zu holen, aber scheinbar waren sie von ihrem Gesafte so erschöpft, dass ab Kilometer fünf Ruhe war. Sehr zeitig zeigte sich auch ein kleiner Hungerast, dem ich mit einem Riegel sofort erfolgreich Gegenwehr leistete. Ich trank an jedem VP ein wenig Wasser, verlangsamte aber nicht und schüttete mir das kühle Nass im Laufschritt hinter. Am Markkleeberger See (siehe Karte) kam der einzig “knackige” Anstieg. Bevor man hoch musste, ging es die Serpentienen runter. Erschreckend leicht lief ich den Berg hoch. Fand schnell wieder in den Rythmus und gesellte mich zu meiner Laufbegleitung. Bei Halbzeit schob ich mir einen Power Shot in die Wange und hatte kurz zuvor, bei Km 10 eine Durchgangszeit von 50:17 Minuten… Eine Bestandsaufnahme zeigte – Nix. Also voll auf Kurs.

Ab jetzt dürft ihr wieder gespannt sein – nun kommt der Knallerteil… das pompöse, furiose, vollkommene… Tada. Trommelwirbel. Paukenschläge. Feuerwerk… FINALE.

Die Hälfte war vorbei. Die Splits gut im Fluß und auch die von mir so geliebte *hust,hust* Runtastic-Uhr war heute von präziser Genaugkeit. Ich lasse mich fast zu der Aussage hinreißen, das dieser Lauf ein einziges High war. Das mir auferlegte Mantra lautete “Perfekt. Das wird was ganz großes heute.” Immer und immer wieder betete ich mir das innerlich vor. Jeder Anflug von Schwäche wurde dadurch zunichte gemacht. Bei Kilometer 15 wurden die Wangen wieder aufgefüllt und der nächste Power Shot machte sich für seine Aufgabe bereit. Meine unfreiwillige Partnerin zeigte sich wenig beeindruckt und zog, mit Stöpseln im Uhr, weiter ihr Ding durch. Wie ein Schweizer Uhrwerk. Schritt für Schritt.

Erste kleine Verschleißerscheinungen deuteten sich ab Kilometer 17 an. Mein Schnitt lag hier bei genau 05:00… aber ich bleib dran und fing langsam an zu kämpfen. Bis zu jenem verhängnisvollen Moment…….. dramatische Pause…….. Letzter Verpflegungspunkt. Vor mir ein Läufer, kein Meter Platz zwischen uns, nicht zu langsam. Blieb kurz vorm Becher schnappen stehen, bzw. verfiel in einen Gehschritt. Ich voll im Tunnel, donnerte fast drauf. Musste ausweichen, verfehlte die Wasserbecher, musste mich kurz sammeln, grabschte nach einem weiteren, hielt plötzlich zwei in den Händen, einer davon komplett zerdrückt, fluchte nicht jugendfrei Sprüche und war total raus. Blieb einen Bruchteil stehen, trank schnell und setzte mich wieder in Bewegung. Knapp 100- 200 m hat mich diese Aktion gekostet und brachte mich für den nächsten Kilometer raus. Ich fing mich. Eine kurze Hochrechnung bei Kilometer 19 zeigte das ich ca. 40-50 Sekunden hinter den 01:44:59 lag. Also was tun, die PB hatte ich sicher, aber trotzdem alles nochmal mobilisieren. Meine Partnerin war in weiter Ferne, ich sah sie aber. Kilometer 20 ging in 04:50 weg. Schnell gerechnet… Mist wird eng. Wer nicht Magenfest ist die nächsten Worte überspringen. Mir kam es kurz gallenbitter. Ich schluckte den Spaß runter. Alles paletti, also weiter. Einige hatte noch ein paar mehr Reserven und ich wurde überholt. Als die Uhr über die Zeit drüber war, nahm ich etwas Tempo raus und ließ eine wenig Luft dazwischen kommen. Ich wollte wenigsten allein auf Zielfoto. Nach handgestoppten 01:45:52 Std. war es soweit. 21,09 Km waren absolviert. Eine neue Bestzeit stand auf Anzeige… lächeln, nur noch lächeln. Wie geil. Ein wahnsinniges Gefühl und hinten raus, trotz kleinem Kampf, ein perfekter Wettkampf. Die Nettozeit wurde nochmal auf 01:45:51 Std. reduziert. Somit war ich fast drei Minuten schneller als, am 06.09 2015, beim Händellauf. Ich schnappte mir meine Medaille, mein Völkerbrot, holte meine Sachen, zog mich um, stellte mich grinsend in die Sonne und feuerte die übrigen Läufer auf der Zielgeraden an. Ein unglaublicher Ausgang für diese verkorkst begonnene Saison, die ich mit diesem Lauf abschließe.

Ziel

Brot_Medaille

Medaille und Völkerbrot.

Mein Fazit zu diesem Wettkampf fällt positv aus. Kein Schnickschnack, keine Überheblichkeit, dazu, mit dem Völkerschlachtdenkmal, eine traumhafte Kulisse, und wunderbarem Wetter. Die Strecke wellig, aber gut laufbar, abwechslungsreich und grün. Leider, bis auf Start-Ziel-Bereich, wenig Zuschauer. Teilweise war heftig, kalter Gegenwind, aber dafür kann der Veranstalter nix. Nächtes Jahr bin ich wieder am Start…

Ich möchte gern noch ein paar Worte an meine Laufpartnerin richten. Ich war der Trottel der die ganze Zeit mit dir gelaufen ist. Mal davor, mal dahinter. Ich hoffe ich habe dich nicht zu sehr “belästigt”. Du warst mir die ganzen 21,09 Kilometer eine großartige Motivation und Hilfe. Ich denke die schöne Zeit habe ich auch dir zuzuschreiben. Ich danke von ganzem Herzen.

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