14. Mitteldeutscher Marathon // 06.09.2015 // Händellauf

Vom Winde verweht und vom Regen gegossen oder Kompressionsstrümpfe werden eh überbewertet.

Unter diesem Motto könnte der 14. Mitteldeutsche Marathon stehen.Am 06.09.2015 bin ich bei diesem über die Halbmarathon Distanz gestartet.

Erst sehr kurzfristig habe ich mich für einen Start bei diesem Wettkampf entschieden. Selbst die Onlineanmeldung war schon abgelaufen. Aber im Hinblick auf den Berlin Marathon passt er mehr als perfekt in den Plan. An diesem Tag schrieb Steffny einen Halbmarathon mit einer Zielzeit von 01:53 :00 vor. Und da Halle fast vor der Haustür liegt wurde nicht lang überlegt und die Entscheidung war gefallen. Die paar Euro mehr zur Nachmeldung nahm ich gelassen. Ein paar sehr gute Freunde, die im Städtchen lebten, übernahmen die Anmeldung einen Tag bevor. Danke, für solche Freunde.

Starterbeutel

Inhalt des Starterbeutels

Meine Frau wollte mich am Tag X begleiten, ebenso die Fanbase aus Halle 🙂 Alle waren bereit mich an der Strecke zu unterstützen. Auf Grund der Wettervorhersage (Regen und Wind) war das packen der Tasche eine Sache für sich, aber lieber zu viel als zu wenig mitgenommen. Kurzes Shirt, langes Shirt, Regenjacke, kurze Hose, mittellange Hose, Socken, Strümpfe, Magneten für die Startnummer, Schuhe, Datteln, eine Banane, zwei selbstgemachte Müsliriegel, Toastbrot, Uhr, Schweißband für unter die Uhr, Cap, Wasser mit Elektrolyten, diverses Duschzeug und voll war die Tasche. Wie immer viel zu viel. Aber da spielt bei mir der Kopf eine entschiedene Rolle.

Sonntag, Raceday. Nach einer doch überraschend guten Nacht mit ausreichend Schlaf, klingelte 06:45 Uhr der Wecker. Startschuss war 10:30 Uhr, wir wollten uns aber noch zum Frühstück mit den Freunden treffen. Angekommen in Halle war allerdings der erste Anlaufpunkt das Meldebüro, checken ob der Chip richtig registriert wurde. Alles im Lot. Puh… Jetzt waren noch zwei Stunden Zeit für’s Essen, das für mich etwas spärlich ausfiel. Lediglich drei Scheiben Toastbrot mit Honig gönnte ich mir, dazu einen Kaffee und ein paar Weintrauben.

Ich entschied mich für die Brooks Ghost 7, kurze Hosen, Kompressionsstrümpfe, langes Oberteil und Cap. Ich drückte meiner Begleitung noch ein T-Shirt in die Hand und wir machten uns auf den Weg. Drei Minuten Fußmarsch und wir waren da. Der Vorteil wenn man zentrumsnah wohnt. Ich streifte mir im Vorfeld noch eine Regenjacke über, lief mich ein paar Minuten warm und dann war sie auch schon fast da, die Uhrzeit um in die Aufstellung zu gehen. Auf Grund des stärker werdenden Regens zog ich mich kurz vorm Startschuss nochmal um. Magneten und Startnummer ab, langes Shirt aus, kurzes Shirt an, dafür Regenjacke drüber. Im Nachhinein die absolut richtige Entscheidung. Die Schuhe waren hier schon halbdurch.

Noch ein Küsschen für meine Frau, abklatschen mit der Fanbase und es ging in die Aufstellung. Zusammen trafen wir auch die Entscheidung das sie mich nicht auf der Strecke anfeuern zu brauchen, reicht wenn sich einer im Regen tummelt. Im Ziel waren sie aber wieder da.

Start

Finde den Daumen

10:30 Uhr, Startschuss. Zusammen mit den 10km Läufern wurden wir auf die Piste geschickt. Jetzt hieß es reinfinden, ordnen und so gut es ging in der Masse laufen. Der Plan sah einen Schnitt von 05:20 vor, den hatte ich eigentlich drauf. Nach ca. einem Kilometer liefen wir über ein Hochstraße die leicht abschüssig, gerade und in der Ferne eine Rechtskurve bot. Ein herrlicher Anblick, hunderte Köpfe über die man blicken konnte und die auf und ab wippten. Kurz darauf verabschiedete sich der Strumpf am linken Bein Richtung abwärts. Da ich keinen Bock auf’s ständigen hochziehen hatte, stoppte ich für einen Bruchteil am Rand und schob sie beide nach unten. Sie kamen wohl nicht so gut mit dem Wetter klar. Wieder rein in die Masse, Pace finden und eventuell jemanden suchen der ähnlich laufen wollte wie ich. Immer wieder wurde die Strecke verengt, was das überholen schwierig machte. Trotzdem gingen die ersten Kilometer gut weg. Nach ca. 3km war ich auf jeden Fall mal wieder zu schnell unterwegs. Mit einer Zeit von 05:00 im Schnitt konnte ich hier noch nicht leben. Später dafür umso besser. Bis Kilometer fünf war es ein durchgewussel durch die Läufer, ab da zog es sich gut auseinander, man hatte ordentlich Platz und konnte seinen Lauf laufen.

Immer wieder erwischte ich mich dabei zu schnell zu sein. Dachte ich. Ich pegelte mich bei einer Zeit zwischen 05:10 und 05:15 ein. Hier fühlte ich mich wohl, auch wenn es eigentlich eine Ecke zu fix war. Im Vorfeld vom Veranstalter angepriesen die meiste Zeit im Grünen zu laufen, sollte es schon von Beginn an so sein. Wir liefen durch Parks, an der Saale lang, durch Alleen. Die Untergründe wechselten von Asphalt, zu Pflaster, zu Schotter, Waldweg und Matsch 😉 Die Bäume boten ein wenig Schutz vorm Regen und Wind. Eine schöne, abwechslungsreiche Strecke. Verpflegungsstellen gab es ausreichend, auch einige privat oder von Vereinen organiserte. Bis auf ein paar Schlucke Wasser und einen Schluck Iso gönnte ich mir nicht viel. Bei den Bedingungen ausreichend.

Nach knapp fünf Kilometern hatte ich meinen Rhythmus gefunden, die Überholungen reduzierten sich und ich konnte meine Rennen laufen. Platz war von nun an ausreichend. Ich fand ein paar Läufer die in etwa mein Tempo liefen und an denen ich mich ein wenig orientieren konnte. So gingen die nächsten Streckenabschnitte dahin. Der Schnitt lag bei ca. 05:12. Ich bremste mich immer wieder ein wenig, wurde aber automatisch schneller. Ab ca. der Hälfte der Strecke hörte es auf zu regnen. Wind blies aber weiter. In einigen Abschnitten war es zu warm unter der Jacke, in anderen wieder war ich froh sie zu haben.

Die beiden selbstgemachten Müsliriegel (Datteln, Haferflocken, Erdnussmus, Honig) hatte ich, im Vorfeld, sicherheitshalber in meiner Tasche verstaut. Bei Kilometer 13 hatte ich Bock drauf. Auf meinen langen Läufe getestet, haben sie mir in dieser Zusammenstellung ein wenig Energie zurückgegeben und dabei hatte ich sie eh. Ein halber sollte aber erstmal ausreichen. Vom restlichen schob ich mir alle paar Kilometer ein Stück in den Mund. Das letzte bei Km 17.

So ging die Zeit dahin. Wir liefen weiterhin in unserer Gruppe bestehend aus 2 Frauen, zwei Männern und mir. Mal etwas weiter auseinander, mal zum Gruppenkuscheln. 😉 Die Beine waren locker, zeigten zu keiner Zeit Verschleißerscheinungen und der Schnitt lag weiterhin bei 05:12.

Ziel

Endspurt // Zieleinlauf // Nr. 2574

Irgendwann kam er dann, der Zeitpunkt an dem man es weiß. Nach ca. 01:30 Std. sollte es an diesem Tag soweit sein. Es konnte nix mehr schief gehen. Die angepeilten Sub 01:53 Std. waren drin. Außer ich brach vollkommen ein. Das schloss ich aber, auf Grund des guten Zustandes, aus. Aber er kam, der Mann mit dem Hammer, nur hatte er heute Endorphine und Glücksgefühle im Gepäck. Von nun an schaltet alles auf Automatik. Ich beschleunigte auf 05:00. Fand einen Läufer der exakt so lief und heftet mich dran. 01:40 Std. Alles in mir funkte und sprühte. Es war Genuss und Freude pur. Eine schnelle Hochrechnung machte sogar eine Sub 01:50 möglich. Die Schritte wurden schneller. Es ging runter auf 04:50, 04:40. Läufer um Läufer kassierte ich ein. Es war nur noch geil. Das war laufen. Das war perfekt. Der letzte Blick auf die Uhr zeigte eine 04:30. Es ging ein letztes mal über die Hochstraße die wir Anfangs gelaufen sind. Noch ein paar hundert Meter. Linksknick in die Innenstadt. Zack, Zack Zack. Die Füße flogen. Zuschauer klatschten und feuerten an. Das Ziel war in Sicht. Noch fünf, vier, drei Schritte. Ziel. Ein Druck auf Stop und es standen 01:48:41 eingefroren. Wahnsinn. Vier Minuten schneller als angepeilt und das Grinsen war festgetackert. Ich schnappe mir einen Becher Iso, ging langsam Richtung Ausgang und sah schon meine Frau die angerannt kam. (Leider hatte ich sie in den Zuschauern nicht mehr gesehen) Sie freute sich das ich heil angekommen war und teilte mein Glück über die erreichte Zeit. Sie hatte noch eine Banane und ein Iso in der Tasche. Auch die oft erwähnte Fanbase freute ich mit mir. Die Medaille um den Hals und der ordentlichen Portion Stolz gingen wir langsam Richtung Wohnung in der schon das Essen wartete.

Medaille

——————————————————————-

Fazit:

Trotz des ekligen Wetters waren in der Strecke recht viele Zuschauer die auch ordentlich Stimmung gemacht haben. Bands habe ich zwei, drei wahrgenommen. Das musikalische Highlight war ungefähr bei KM15, da hat ein Chor gesungen. Das fand ich persönlich wunderbar. Die Strecke ist sehr abwechslungsreich, grün und von unterschiedlicher Beschaffenheit. Bis auf einen winzigen Anstieg auch sehr flach. Was meiner Meinung nach nicht optimal gelöst ist, sind die Verengungen am Anfang, wenn die Masse noch beisammen läuft. Lässt sich aber auf Grund des Verkehrs wohl nicht ganz vermeiden. Die Startgebühr hält sich, bei zeitiger Anmeldung, im Rahmen. Viel habe ich vom drumherum nicht mitbekommen. Das Wetter war einfach zu schlecht um sich aufzuhalten. Eine schöne Medaille bekommt man auch um den Hals gehängt. Alles in allem kann ich diese Veranstaltung weiterempfehlen.

——————————————————————

Persönlich:

Mit einer Zeit von 01:48:40 bin ich weit über die Erwartungen gelaufen die geplant waren. Mit breiter Brust und voller Selbstvertrauen kann ich mich nun auf den Weg nach Berlin machen. Meine Frau und die Fanbase aus Halle sind auch mit am Start und da freue ich mich besonders drauf. Auf die Stimmung verzichtet man ungern. 🙂 Ich habe mir das Rennen perfekt eingeteilt, bin zum Ende hin nicht eingebrochen und konnte noch letzte Reserven mobilisieren. Die Verpflegung klappte ausgezeichnet. Die Riegel werden auch in Berlin in die Tasche wandern. Das optimale Rezept scheint gefunden. Ein HM steht zwei Wochen nach Berlin noch auf dem Plan, aber ob mit einem Marathon in den Knochen nochmal so eine Zeit drin ist dieses Jahr??? Logisch 😉

Wir sehen uns in Berlin. Viele Grüße Eric

Ein Gedanke zu “14. Mitteldeutscher Marathon // 06.09.2015 // Händellauf

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s