47. Messepokallauf, Leipzig, 11.03.2017 – Ein Hauch von Nostalgie

47. Messepokallauf, Leipzig, 11.03.2017 – Ein Hauch von Nostalgie

Hallo Ihr Lieben,

es gibt sie noch, die Wettkämpfe bei denen offenbar die Zeit stillgestanden ist. Bei denen sich seit Jahren/ Jahrzehnten nichts geändert hat… und das ist gut so. So einen Wettkampf durfte ich am 11.03.2017 erleben. Ausgetragen wurde er vom LC Auensee, der dem ein oder anderen Läufer schon ein Begriff ist. Seit vielen Jahren sind sie Ausrichter der 100 bzw. 50 Kilometer von Leipzig, jährlich im August. Man läuft dann diese Strecke 5 oder 10 mal.

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Schon als ich eintraf wehte mir ein Hauch von “Damals wars…” entgegen. Ein Vereinshaus, an dem sich lange nichts verändert hat. Eine Aschenbahn, die schon viele und aber viele Läufer und Sportler gesehen hat. Ordner und Helfer die wahrscheinlich schon die erste Ausgabe begleitet haben und mit denen man Geschichten über Geschichten von damaligen Läufen erzählen könnte. Die Anekdoten auf Lager haben über die die heutige Laufwelt nur schmunzeln würde. Selbst das Siegerpodest hat mit hoher Wahrscheinlichkeit schon die ersten Sieger beherbergt. Die Zeitnahme erfolgt per Hand und auf Zuruf der Startnummern. Die Verpflegungsstelle ist ein alter Blechbehälter von Anno Dazumal. Die Gewinner bekommen Urkunden und Schokolade. Der örtliche Laufladen sponsert Laufaccessoires.

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Würde das Bild nicht geprägt von den in High-Tech-Kleidung gehüllten Läufer, man könnte denken es biegt augenblicklich eine Horde um die Ecke die ein buntes Stirnband tragen, Dauerwelle das Haupt krönt und ein Schnurbart die Oberlippe ziert. Die Baumwoll-Achselshirts, kurze weite Hosen, die das nötigste verhüllen, und Schuhe der Marke “Germina” tragen.

Solche Wettkämpfe sind Laufen. Man trifft sich zum Laufen, man will Laufen, fachsimpeln, bekannte Gesichter treffen, sonst nix. Sie schaffen ungewollt perfekt den Spagat zwischen Nostalgie und Zukunft. Solche Veranstaltungen dürfen nicht sterben. Sie tragen den Geist des Laufen von Generation zu Generation. Keine bunten Lichter, keine schreienden Moderatoren, keine bekannten Sponsoren. Danke.

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Für mich war das nun der zweite Start in 2017. Die noch recht junge Serie von perfekten Wettkämpfen sollte hier fortgesetzt werden. Ich freute mich auf diesen Tag. Die Vorfreude war fast unerträglich. Der ganze Körper wurde von Kribbeln geflutet. Es gab keine Zweifel, dass der Samstagmorgen ein schöner werden wird.

Ich setzte mir eine kleines Ziel. Ich wollte wenigstens ein 4 vorn stehen haben. Wäre aber nicht enttäuscht gewesen hätte dies nicht geklappt. Der Testlauf 7 Tage im Voraus schickte mir verheißungsvolle Vorboten. Da stand sie schon, diese Zahl und das obwohl ich die ersten Kilometer verschlafen hatte.

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Ich legte mir wieder altbewährte Taktik zurecht. Hinten einreihen und das Feld nach und nach einsammeln. Das birgt zwar die Gefahr im Verkehr zu stecken, was diesmal aber nicht passierte. Ich durfte von Anfang an mein Tempo laufen und fand schon auf den ersten Metern die Geschwindigkeit und sammelte ein.

Der Untergrund kam mir zu Gute. Bis auf ein paar hundert Meter läuft man auf befestigtem Waldboden, der durch, an diesem Tag leichte Feuchtigkeit noch weicher zu laufen ging und trotzdem so trocken, dass die Füße nicht nass wurden.

Meine zurecht gelegter Plan ging auf. Ich arbeitete mich durchs Feld, das von Anfang an auseinander gezogen wurde. Es machte mir auch diesmal wieder einen Heidenspaß langsam auf andere aufzulaufen und zu überholen. Das dauerte in einigen Fällen viele Kilometer, in anderen ging es recht flott. Ich darf behaupten wieder einen Wettkampf gelaufen zu sein bei dem ich nicht überholt wurde.

Mein Mantra des Tages lautete “Perfekt. Das läuft mehr als perfekt.” Immer und immer wieder wurde es wiederholt. Ich begann bereits auf den ersten Kilometern meinem Körper gut zu zu reden und zu horchen wie er sich anfühlt. Ich sagte ihm, dass er es schafft, alles halten wird und er mich gesund und ohne Probleme bis ins Ziel tragen wird. Was er dann auch tat.

Man läuft einen Teil der Strecke zweimal. Nach ca. 4 Kilometern wetzt man eine Runde um den Auensee und dann die gleiche Strecke zurück. Auf eben diesem Rückweg lief ich auf ein Pärchen auf. Geschätzt auf jeden Fall Ü70, wenn nicht älter. Ich denke sie liefen gemeinsam die 7 Kilometer und ja, sie hatten Flugphase. Das wundervolle an dieser Szene, die mir auch jetzt noch das Herz öffnet und noch eine Weile begleiten wird, die Beiden trabten Hand in Hand. So schön anzusehen.

Das Stadion kam näher und mir ging es immer noch gut. Es stellten sich erste Verschleißerscheinungen ein, aber die trugen zu keinem Verfall bei. Ich versuchte den letzten Kilometer noch etwas zu beschleunigen, was aber nur minimal gelang. Ich bog auf die Aschenbahn, steuerte das Ziel an, meine Nummer wurde gerufen, damit die Zeitnehmer wussten wer da kam und stoppte die Garmin bei 00:47:12 Std. Das bedeutete eine Verbesserung von fast einer Minute auf die bisherige Zeit über 10k.

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Ich holte mir stark gezuckerten warmen Tee, schaute mir noch die Siegerehrung der Kiddies an und macht mich langsam auf den Heimweg.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole. Dieser Wettkampf, dieser Lauf hat mir gezeigt, dass ich alles richtig gemacht habe. Das alle Entscheidungen bezüglich des Laufens goldrichtig waren. Man muss an sich glauben und arbeiten, den Kopf zwar in den Sand stecken, ihn aber wieder herausziehen und nach vorn schauen. Es gibt Lösungen, wenn sie Anfangs auch als unwirklich erscheinen.

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Immer noch geflasht von einer gewissen Nachfreude, betrunken vom herrlichen Wetter und der Signale vom Körper schnallte ich mir am Sonntagmittag die Latschen an die Füße und dreht eine kleine Regenerationsrunde um den Block und am See entlang.

Laufen fetzt.

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Für alle Interessierten noch die Hard facts:

  • Gelaufen wurde in Vibram Bikila Evo II
  • Platzierung gesamt: 69.
  • Platzierung AK 35: 13.
  • Zeit offiziell: 00:47:34 Std.

Vorschau

Am 09.04.2017 steht der nächste Wettkampf auf dem Plan. Es wird ein weiterer Meilenstein. Ein nächster Schritt der mir zeigen wird dass sich alles fügt. Es wird ein Halbmarathon unter die Füße genommen. Allerdings, und dessen bin ich mir ziemlich sicher, wird hier keine Bestzeit drin sein. Erwarte ich auch nicht. Ich müsste unter 01:45:00 laufen. Das traue ich mir ehrlich gesagt nicht zu. Ich habe Angst etwas kaputt zu machen…

…aber meisten kommt es anders als man denkt.

Viele liebe Grüße, eure schnellen Beine.

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