Die neue Freude am Laufen

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Die neue Freude am Laufen

Ich möchte euch kurz in die Vergangenheit mitnehmen. Nicht sehr weit. So ca. 1,5 – 2 Jahre. Ich lief, viel und so lange es mir möglich war. 4-5 Einheiten in der Woche. Das Laufen machte mir zu diesem Zeitpunkt einen ungeheuren Spaß. Ich bereitete mich auf diverse Wettkämpfe vor. Halbmarathon, voller Marathon – Berlin als Höhepunkt – danach noch ein Halber. Immer strikt wie es mir vorgegeben war. Ich war Geisel von Plänen und Vorgaben von Laufgurus und Internetweisheiten. Ich machte mir von Morgens bis Abends Gedanken darüber wie ich wann wo noch eine Einheit laufen sollte. Welche Pace wann die beste ist. Wie viele Kilometer ich an welchem Tag laufen muss. Hier noch Intervalle, da noch ein Fahrtspiel. Ob die Pläne die ich mir auserkoren hatte die besten sind. Ob ich zu wenig Tempo lief oder zu viel. Ob ich nicht hier und da und überhaupt.

Das mündete darin, dass ich im Sommer 2015 einen Halbmarathon als Wettkampf lief, auf letzter Rille, und keine 24 Stunden wieder auf der Strecke stand und 15 Kilometer runterriss. Ich erinnere mich, dass ich danach total platt war. Das ging sogar soweit, dass ich einen Tag zuhause blieb und mich verkroch. Ich war völlig fertig mit mir und der Welt. Mein erster Blogeintrag legt hier Zeitzeugnis ab. Es war das erste Mal, dass mir der Gedanke über dieses ganze Planzeugs in den Kopf kam. “Warum auf andere hören. Die mir zwar eine Richtung vorgegeben können, aber nichts über mich wissen.” Woher sollen sie das auch. Sie kennen mich ja nicht. “Warum Sklave sein?” Jetzt werden einige sagen: “Training muss nicht immer Spaß machen und Freude bereiten.” Warum eigentlich nicht. Warum sollte Training und Laufen nicht immer Spaß machen und Freude bereiten? Ich bin mittlerweile der Meinung: Doch sollte es.

Ich fing mich damals recht schnell wieder und kehrte in alte Muster zurück. Plan hier, Plan da. Musste ja auch, wollte schließlich Marathoni werden – was dann auch klappte.

Der Rest ist schnell erzählt und in vielen Blogeinträgen verarbeitet. Noch ein Halbmarathon zwei Wochen nach Berlin 2015. Verletzung, Geheule, hin und hergerissen ob des Laufens, unzählige Wiedereinstiege, Rückschläge, nackig Laufen begonnen und nun wieder auf der Strecke. Glücklicher als je zuvor und mit einer enormen Freude. Eine Freude die ich noch nie gespürt habe. Die sich schwer erklären lässt. Es ist wie ein kleines Feuerwerk, ein Jubeln, eine kleine Party die da abläuft. Ein Laufgefühl, dass mir bislang verwehrt blieb. Aber woher kommt diese Freude? Woher kommt dieses neue Läuferleben?

Ich könnte jetzt wieder mit dieser Achtsamkeit anfangen. Für viele ist das allerdings ein Brief mit sieben Siegeln. Die hat sicher ihren Anteil daran. Ich führe es größtenteils darauf zurück, dass ich laufe wie ich möchte und nicht mehr zwanghaft an Vorgaben festhalte. Das befreit mich im Kopf ungemein und schenk mir diese gewisse Freude die mir gefehlt hat bzw. die mir abhanden gekommen war. Ich glaube, wie geschrieben, ich bin mir sicher ich habe sie so noch nie gespürt.

Ich laufe nun weil ich will, nicht weil ich muss. Ich laufe nicht mehr nach Plan. Ich laufe nach Gefühl. Oftmals entscheide ich erst auf den ersten 1-2 Kilometern was ich laufen möchte. Fühlt es sich nach Tempo an – gut – dann wird geballert. Läuft es dann vielleicht doch nicht, mache ich ein Fahrtspiel draus oder trabe gemütlich vor mich hin. Macht mich das langsamer? Sicher nicht. Macht mich das zu einem schlechteren Läufer? Auf keinen Fall.

Das soll nicht heißen, dass ich nicht eine gewisse Grundstruktur drin habe. Wenn ich nur noch seelenruhig durch die Gegend eier und Blumen zähle bringt mir das natürlich nix. Auch ich möchte gute Wettkämpfe laufen, möchte mich auskotzen und an meine Grenzen gehen. Auch ich möchte Bestzeiten laufen. Auch ich werde von einem gewissen Ehrgeiz getrieben. Ich bin aber der Überzeugung es kommt nicht in erster Linie darauf an, dass man einmal die Woche Tempo läuft, einmal lang, einmal regenerativ, einmal im Wettkampftempo, beispielhaft dargelegt. Es kommt auf die Einstellung an. Es kommt darauf an, dass man sich nicht zwingen lässt jetzt unbedingt, dies oder jenes tun zu müssen. Versteht mich nicht falsch. Klar muss man lange Läufe machen um bei einem Marathon ins Ziel zu kommen. Auf jeden Fall sollte man das geplante Wettkampftempo laufen um ein Gefühl dafür zu bekommen. Logisch muss man Tempo laufen um 10 Kilometer in einer bestimmten Zeit zu laufen. Und hier kommt nun selbstverständlich wieder mein großes ABER. Muss es denn immer so sein wie es einem vorgegeben wird? Nein.

Schauen wir uns beliebige Pläne an, die, die die meisten bevorzugen. Sie gehen in den meisten Fällen über 10, 12, 15 Wochen oder mehr. Massig Zeit um auf seine Kilometer zu kommen. Genügend Tage um zu ballern, lang zu laufen, Wettkampftempo zu proben. Läuft man mal in einer Woche nicht nach den Vorgaben, bringt einem das trotzdem in der gewünschten Zeit ins Ziel. Es geht darum die Freude zu bewahren.

Es gibt diese Tage, da hat man einfach keinen Bock auf dies oder das, dann sollte man es lassen. Läuft man es auf biegen und brechen, läuft es dann schlecht, beginnt das Grübeln. Zwingt man sich, wirft das nur mehr zurück. Es geht um das Gesamtbild. Der Kopf spielt auch hier die entscheidende Rolle. Ist der frei und löst sich von dem Gedanken des Zwangs kann das die entscheidenden Sekunden oder Kilometer bringen. Davon bin ich mehr und mehr überzeugt.

Manch einer wird sich beim lesen vielleicht denken: “Was denn das für ein Spinner?” Was ich hier schreibe sind die Erfahrungen der letzten Monate. Meine Erfahrungen. Ich laufe so, ich laufe gut damit, ich erreiche meine Ziele damit und gehe darüber hinaus. Ich laufe besser als je zuvor. Ich habe das Gefühl unbändig zu sein, alles erreichen zu können. Für mich war das ein Prozess den ich erst durch Erfahrung, Rückschläge und immer wieder Aufstehen lernen musste. Für mich ist das der Schlüssel zu einem erfüllten Leben als Läufer.

Wer gern nach Plan läuft sollte das tun, unbedingt. Tut das was euch Freude bereitet und euch weiter bringt. Lauft was euch begeistert. Es geht nur darum euch andere Wege aufzuzeigen. Möglicherweise auch seine eigenen Handlungsweisen zu hinterfragen. Vielleicht einen anderen Denkansatz zu wählen. Vergesst nur die Freude am Laufen nicht. Passt auf, dass sie euch nicht abhanden kommt. Lasst euch nicht in ein Korsett zwängen. Es ist euer Läuferleben. Ihr entscheidet. Ihr lauft. Ihr tut es für euch.

Viele Grüße, eure schnellen Beine.

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1 Kommentar zu „Die neue Freude am Laufen“

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