Keine Angst vor DIY Jesuslatschen (Chalas)

Keine Angst vor DIY Jesuslatschen (Chalas)

Vor kurzem machte mir der bärtige Mann, der einmal im Jahr in seinem Schlitten angerauscht kommt, eine freudige Überraschung. Er griff in seinen tiefen, großen Sack und zog ein Paar Sandalen hervor. Ich bin mir sicher, die einzigen Spezies die sich zu Weihnachten über solche Latschen freuen, ist der Göttliche himself und Läufer. Zu letzteren Gattung zähle ich mich. Allerdings kamen sie nicht in Form von “Auspacken und reinschlüpfen” – Nein – ich hatte freie Wahl.

Weit im Vorfeld habe ich mich schon mit der Frage beschäftigt: “Welche Sandalen sollen demnächst meine Füße zieren?”. Der nächste, für mich, logische Schritt im Barfußlaufen, nachdem ich bereits erfolgreich in Zehenschuhen und Split-Toes laufe. Ich wollte Sandalen mit möglichst viel Barfußgefühl. Für mich boten die Chalas die optimale Basis und Auswahl, abgesehen von den vielen möglichen Farbkombis. Wer mich ein wenig kennt und verfolgt weiß, es darf gern bunt sein. Es soll in diesem Bericht aber nicht um die Sandalen als solche gehen. Die Chalas bieten eine Besonderheit. Man kann sie sich selbst zurecht basteln, wenn man denn möchte. Es werden drei Alternativen geboten…

Individualkit – fertig angepasst für den Fuß

Bastelkit – als verklebter Rohling, etwa auf Schuhgröße zum selbst schneiden und gestanzten Löchern

Expertenkit – verklebtes Rechteck, bei dem man alles selbst tun muss inkl. stanzen der Löcher

Und hier lagen die Kopfschmerzen die ich mir machte. Ich wollte durchaus selbst Hand anlegen. Doch konnte ich mir das zutrauen oder würde ich die Chalas direkt verhunzen? Man kann sich kaum vorstellen bei seinen neuen “normalen” Laufschuhen Werkzeug rausholen zu müssen. Also kam ein Expertenkit nicht in Frage. Zu wenig Wissen hatte ich auf diesem Gebiet. Ich entschied mich für das Bastelkit und genau darum soll es hier gehen. Ich möchte allen, die sich vielleicht mit dem Thema auseinandersetzen, die Angst davor nehmen, selbst rum zu schnibbeln. Es ist kein Hexenwerk und definitiv machbar.

chalas_schnelle_beine

Im Warenkorb landeten:

  • 1 Paar Chalas
  • Sohle in schwarz, beklebt mit blauem Velour
  • Rohling für Größe 47, ich habe 46
  • Senkel in grün und gelb

vorbereitung_chalas_schnelle_beine

Ich habe verwendet:

  • 1 Schere
  • 1 Bleistift
  • Lochzange
  • Schleifpapier, 80er, schon etwas abgenutzt
  • Feuerzeug
  • Zange

Als Anmerkung vorab. Ich musste einige Bilder im Nachhinein nochmal aufnehmen, da sie qualitativ nicht gepasst haben. Ich habe dazu eine Info unter die Bilder gesetzt. Trotzdem zeigt es den betreffenden Arbeitsschritt gut.

Ich hielt mich an die beiliegende Anleitung und begann damit mir das Loch zwischen den Zehen zu markieren. Ich bin davon ausgegangen, dass das beim Bastelkit schon vorgestanzt war – Eine Fehlannahme. Ohne Lochzange wäre es um einiges schwieriger gewesen das benötigte Loch in die Sohle zu bekommen. Ich hätte es wahrscheinlich mit einem Bohrer probiert, auch wenn das nicht die optimale Lösung ist. Mit entsprechender Zange allerdings kein Problem.

anzeichnen_schnelle_beine
Das musste ich nachstellen

stanzen_chalas_schnelle_beine

Als nächstes zeichnete ich mir den Umriss meiner Füße nach und ließ für eventuelle Nachbesserungen ein wenig Platz. Bei den beiden Markierungen (für das Loch zwischen den Zehen und Umriss) eignet sich ein normaler Bleistift nur so mittel. Man sieht es nur gut, wenn man die Stellen mehrmal mit dem Bleistift anzeichnet. Dadurch rauht sich das Leder auf und man sieht die entsprechenden Stellen. Ich muss hier nochmal anmerken, dass ich mich für Velour anstelle von Glattleder entschieden habe. Auf zweiterem hätte man es mit großer Sicherheit besser markieren können. Zudem habe ich mit dem Blau noch eine recht dunkle Farbe. Trotzdem hat es funktioniert.

anzeichnen_chalas_schnelle_beine

Danach ging es auch schon ans zurechtschneiden. Also die Schere geschnappt und vorsichtig an den markierten Rändern entlang. Die hatte ich im Vorfeld nochmal über den Schleifstein geführt. Es lässt sich gut und sauber schneiden. Scharf sollte die Schere aber sein. Auch das ist keine Zauberei und auf jeden Fall problemlos machbar. Etwas Müll bleibt dann übrig.

zugeschnitten_chalas_schnelle_beine

Ein paar überstehende Kanten und Ecken, die mir persönlich nicht gefielen, arbeitete ich vorsichtig mit dem Schleifpapier nach. Es empfiehlt sich das über dem Waschbecken, einer Zeitung oder im Freien zu tun. Es schleifen sich ganz kleine Leder und Sohlenspleise ab. Je genauer man schneidet, umso weniger muss man schleifen. Aber auch das geht mit Feingefühl locker von der Hand.

schleifen_chalas_schnelle_beine

Anschließend ging es ans fädeln und schnüren der Senkel. Auch dafür liegt den Chalas eine Anleitung bei. Nach dieser ging ich auch vor. Das restliche Ende nach dem Knoten unter der Sohle schnitt ich ab und schmolz es, wie in der Anleitung, mit dem Feuerzeug. Ein wenig Vorsicht damit man nicht zu viel versengt und schon sitzt alles. Danach den Knoten noch mit einer Zange platt drücken, damit dieser schon flach unter der Sohle liegt.

feuer_schnelle_beine
Das Bild ist nachgestellt
schmelzen_chalas_schnelle_beine
Nachaufnahme

pressen_chalas_schnelle_beine

platten_chalas_schnelle_beine

So sieht die Sohle und das Velour nach dem ersten Lauf aus. Ich hatte etwas Bedenken, dass man den Knoten spürt, aber die waren grundlos. Man bemerkt ihn nicht.

sohle_schnelle_beine

fusbett_chalas_schnelle_beine

Die Schnürung führte ich, wie erwähnt, nach Anleitung aus. Ich musste ein wenig hin und her hantieren bis es letztendlich gepasst hatte, aber wenn man die Bilder versteht und Geduld mitbringt klappt das auch. Das obere Bild zeigt die “Slip-On-Slip-Off” Schnürung. Die behielt ich auch bei, allerdings hatte ich noch genügend Senkel übrig und führte noch eine zusätzliche Kurve hinten um den Knöchel herum und verknotet das Ende mit der Schlaufe auf dem Fuß. So kann die sich ganz sicher beim Laufen nicht lösen und man muss den Senkel nicht kürzen. Die 1,5 m werden so optimal genutzt.

geschnurt_chalas_schnelle_beine

auf-der-bahn_chalas_schnelle_beine

Den ersten Lauf auf Asphalt (5 Km) habe die Sandalen nun schon hinter sich und ich bin restlos begeistert. Ein besseres Barfußgefühl hatte ich bis jetzt noch nicht. Den Senkel zwischen den Zehen habe ich nicht gespürt. Auch hat an keiner Stelle etwas gerieben. Leider lässt der momentane Schnee keine weiteren Läufe mit den Chalas zu bzw. möchte ich sie nicht bei dieser Witterung laufen. Ich werde sie definitiv auch im Gelände testen und bin gespannt wie sie sich auf längeren Strecken anfühlen. Ein paar Feineinstellungen werde ich noch vornehmen und hier und da ein wenig rumschnibbeln. Auf dem zweiten Bild sieht man gut, dass die linke Sandale vorn noch genügend Spielraum bietet.

Im großen und ganzen war die Bastelei kein Hexenwerk und man kann sich, auch ohne viel handwerkliches Geschick, an die Chalas trauen und Freude macht es auch. Wer kann schon von sich behaupten, seine Laufschuhe selbst gebaut zu haben. Einzig die Schnürung erfordert Anfangs etwas Geduld, aber auch das bekommt man hin und wenn sie einmal sitzt, ist der Großteil für immer erledigt. Mittlerweile würde ich mich auch an ein Expertenkit trauen, allerdings nur, weil ich schon zwei Sohlen da habe.

Links:

Website des Herstellers.

Die Anleitungen findet ihr auch nochmal hier.

Zur Info:

Ich habe die Chalas nicht zur Verfügung gestellt bekommen. Auch hatte Chala oder deren Partner keinen Einfluß auf diesen Bericht. Außerdem stehe ich keinerlei Verbindung mit ihnen.

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14 Gedanken zu “Keine Angst vor DIY Jesuslatschen (Chalas)

      1. Ich war etwas bastelfaul, aber habe nun mit dem Berliner Shop eine tolle Anlaufstelle gefunden. Extra Schnürsenkel gab es auch noch oben drauf. Jubel. Auch hier also noch einmal Danke für die Inspiration. Ich freue mich auf das Frühjahr und den ersten Urlaub mit meinen ganz eigenen Chalas!

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      2. Hallo Din,
        es freut mich das ich dafür begeistern konnte und du auch noch kompetente Hilfe aus erster Hand bekommst. Ich bin von dieser Art von Besohlung jedesmal neu begeistert. Mit Sicherheit kommt mir noch ein zweites Paar in den Schrank, die ich dann aber nicht zum laufen tragen werde. 🙂
        Viele Grüße, Eric

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  1. Du hast eine ziemlich ungewöhnliche Fußform (langer Zeigezeh – sagt man das so?). Da zängt sich die Selberbastelei ja förmlich auf. Allerdings dann vielleicht sogar das Expertenkit?

    Wie dem auch sei. Ich bleib mal lieber bei meinen Lunas. Soviel Unterschied ist da sicher auch nicht.

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    1. Guten Morgen. 🙂
      So weit ich weiß, haben die Lunas eine dickere Sohle und bieten weniger Barfußgefühl und das eben wollte ich. Du darfst mich aber gern berichtigen, falls ich da auf dem Holzweg bin. Und ein weiterer Vorteil ist eben dieses selbe basteln bedignt durch meine Mutantenzehe 😉
      Viele Grüße, Eric

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  2. Hi Eric, schöne Bastelanleitung, macht wieder Lust auf Sommer 🙂
    Ich hab sowohl Lunas als auch Chalas (die veganen, bereits fertigen, also ohne Bastelei), laufe mit beiden keine längeren Strecken, nutze die allerdings sehr gerne im Alltag, wenn es das Wetter hergibt. Der Grund ist einfach: wenn ich barfuß laufen möchte, dann macht mir „richtig“ barfuß am meisten Spaß. Sobald eine Sohle unterm Fuß ist, bist du ja nicht mehr barfuß und das Laufverhalten verändert sich ja doch etwas, deshalb finde ich den Ausdruck „Barfußschuhe“ auch eher irreführend. Aber wir sind alle unterschiedlich und das Thema muss jeder für sich finden. Trotzdem eine absolut gute Entscheidung von dir, zumal wenn ich deine Leidensgeschichte so durchlese. Statt aufzugeben, „einfach“ von vorne anfangen, sehr konsequent, weiter so. Beste Grüße, Oliver

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    1. Hallo Oliver,
      ich danke dir für deinen ausführlichen Kommentar.
      Vor diesem komplett barfuß habe ich, zugegeben, ein wenig „Angst“. Zu viel Zeug was nicht auf den Gehweg gehört könnte dem Fuß schaden. Deswegen denke ich, dass gerade die Chalas das optimale Barfußvergnügen bieten. Aber du hast recht, ganz barfuß ist das nicht und imemr noch eine kleine Schummelei. 🙂
      Viele Grüße, Eric

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  3. Moin Eric,
    die Chalas standen bei mir auch schon mal zur Debatte, mir schienen sie dann aber zu dünn für meine Zwecke. Als Sommersandale kann ich mir sie aber gut vorstellen, mal schauen.

    Gruß und viel Spaß damit
    Sascha

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    1. Huhu Sascha,
      schwere Trails kann man damit wahrscheinlich nicht laufen. Leichter Cross oder eine Runde im Wald werden sie mit Sicherheit wegstecken. Wenn der Schnee weg ist, wird das auf jeden Fall getestet. Ich denke, sie könnten irgendwann meine bevorzugte Besohlung werden. Mal sehen was die Zeit so zeigt.
      Viele Grüße, Eric 🙂

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      1. Ich laufe ja abseits vom Sport schon wann immer es geht barfuß oder in Sandalen durch die Gegend. Schuhe werden mir immer mehr zu Graus, daher könnten die Lappen echt was für mich sein im Sommer 😂

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