Wann habt ihr euch das letzte mal bedankt?

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Wann habt ihr euch das letzte mal bedankt?

Schon beim lesen der Überschrift werden die ein oder anderen darüber nachgedacht haben. Viele, werden sich womöglich gar nicht mehr daran erinnern.

Danke! Ein Wort, fünf Buchstaben.

Wir bedanken uns täglich, mehrfach. Wir bedanken uns bei Kollegen, bei der Verkäuferin, bei uns unbekannten Menschen. Wir bedanken uns bei unseren Freunden, Freundin, Kollegen.

Sich bedanken, das gehört sich. Das bekommen wir von Kindesbeinen an eingetrichtert. Wir sollten uns immer schön bedanken. Wir bedanken uns aus Höflichkeit, wir bedanken uns ganz beiläufig, wir bedanken uns überschwänglich oder sarkastisch. Wir bedanken uns für große Geschenke und kleine Nettigkeiten. Wir bedanken uns ein Leben lang, unentwegt. So soll das auch sein. Ein Danke zollt von Respekt der erbrachten Leistung, auch wenn es ganz nebenbei erwähnt wird und Sekunden später in Vergessenheit gerät, ist ein Danke jede Menge wert, wenn es von Herzen kommt bedeutet es unendlich mehr.

Wir bedanken uns tausendfach.

Aber, wann habt ihr euch das letzte mal bei euch bedankt?

Darüber müssen die meisten wahrscheinlich länger nachdenken. Viele noch nie, einige mit hoher Sicherheit nicht mit einem nett gemeinten Danke. Andere denken sich: “Wie soll das denn gehen?”

Wir sind von Haus aus negativ denkende Menschen. Dafür können wir nichts. Wir sehen immer nur das schlechte, da wir das positive voraussetzen. Selektive Wahrnehmung schimpft sich das. Wir sehen das, was wir sehen wollen. Ich versuche es mal beispielhaft darzustellen: Ein Läufer plagt sich immer wieder mit Verletzungen. Dabei schimpft und wettert er: “Immer muss mir das passieren. Immer bin ich verletzt. Ständig nerven mich Wehwehchen.” Läuft er dann mal schmerzfrei, wird das kaum wahrgenommen. Es tritt in den Hintergrund. Kommt dann der Verletzungsteufel, geht das ganze Spiel von vorn los. “Immer bin ich verletzt.” usw. Prompt wird vergessen, dass man schmerzfrei laufen war. Ein ähnliches Beispiel: Jeden Tag steht man auf dem Weg zur Arbeit im Stau. Man meckert und wettert: “Immer steh ich im Stau. Immer muss mir dann passieren.” Läuft es mal einen Tag und den darauffolgenden wieder nicht, wird dem vorangegangen Tag kaum Beachtung geschenkt. Wie gesagt, das positive wird vorausgesetzt, über das negative geschimpft.

Bleiben wir lieber beim Laufen, anstatt uns um den Verkehr zu kümmern.

Sollten wir aber nicht statt zu schimpfen und wettern, über jeden Tag, über jede Einheit die wir laufen dürfen dankbar sein. Warum setzen wir voraus, dass unser Körper laufen muss? Klar, laufen liegt in unserer Natur, nur ist er keine Maschine. Und – logo – auch ich meckere, wenn es mal wieder irgendwo zwickt, aber dennoch sollte man Dankbarkeit zeigen. Er heilt, wenn wir alles dafür tun. Er lässt tausende von Kilometern über sich ergehen. Er wird über die Grenzen getrieben. Er soll am besten innerhalb von kurzer Zeit regenerieren und noch ein wenig schneller und weiter laufen.

Dieses “Dankbar sein” ist erlernbar. Sich selbst und dem Körper mit Wohlwollen gegenüber zu stehen, kann man sich beibringen. Dafür benötigt es nichts. Es benötigt keine Meditationsstunden, keine spirituellen Sitzungen, keine Erleuchtung oder sonstiges Hokus-Pokus. Ihr könnt es tun während ihr lauft, schwimmt, radelt….

Dem Körper offen zu begegnen kann euch helfen, eben jenen besser kennenzulernen, besser zu verstehen. Es kann euch sogar helfen schneller zu heilen, falls ihr verletzt seid. Es geht hier einzig und allein um die Einstellung sich gegenüber. Selbst, wenn ihr von alledem verschont bleibt und ein Leben lang freudig die Laufstrecken erobern könnt, kann ein wenig mehr positive Einstellung nie schaden. Ihr lernt euren Körper besser kennen, Zipperlein besser einzuordnen und mit diesen, unterwegs, besser umzugehen.

Stellt euch, jetzt beim lesen, vor ihr würdet bspw. laufen. Was tut ihr? Laufen, klar. Einen Fuß vor den anderen. Atmen, logo. Ein und Aus. Aber was tut ihr bzw. euer Körper wirklich? Er tut so unendlich viel mehr. Da bewegen sich Muskeln über Muskeln. Es spielen sich fast unvorstellbare Fähigkeiten im und mit dem Körper ab. Jedes kleine Rädchen spielt ineinander um euch über die Straßen, Trails, Berge, Wälder, Tartan-Bahnen zu bringen. Sehnen werden gespannt, die Arme schwingen, der Brustkorb hebt und senkt sich im Takt, die Beine wirbeln unaufhörlich, die Lunge ackert auf Hochtouren, der Körper heizt sich auf und versucht sich zu kühlen. Habt ihr all das, was ihr wahrnehmen könnt, schon einmal genauer beobachtet? Habt ihr schon einmal euren Körper beim laufen erforscht? Gar nicht so schwer. Es muss ja nicht gleich beim Tempolauf sein.

Geht laufen, so wie immer. Es bietet sich Anfangs ein langsamer Lauf an. Irgendwann nehmt ihr euch 5-10 Minuten oder 1-2 Kilometer Zeit. Am besten gegen Ende, zum auslaufen, wenn der Körper warm und auf Touren ist. Beginnt ganz bewusst auf das zu achten was der Körper während des Laufens tut. Wie setzt der Fuß auf? Welche Muskeln arbeiten? Wie bewegen sich die Arme und Beine? Was tun die Waden? Wie hebt und senkt sich der Oberkörper beim atmen? Wo strömt die Luft ein und aus? Durch die Nase, den Mund? Wo schwitzt ihr? Wie kühlt sich der Körper? Wo ist euch warm oder kalt? Wo fühlt ihr euch müde? Wo melden sich eventuell Wehwehchen und Zipperlein? Atmet dabei ruhig, so gut es geht. Beobachtet das Gesamtbild. Nehmt alles so gut es geht wahr.

Im nächsten Schritt konzentriert ihr euch auf ein bestimmtes Körperteil und versucht ganz bewusst dahin zu atmen. Ca. 10-20 komplette Atemzüge, je nachdem wie tief oder flach ihr atmet. Spürt euch hinein. Was tut, beispielsweise, die Wade. Schmerzt sie oder geht es ihr gut? Wie bewegt sie sich, die Muskeln, die Sehnen. Was tut sie, wenn der Fuß aufsetzt und abrollt? So könnt ihr euch durch den kompletten Körper gehen. Füße, Sehnen, Oberschenkel, Rücken, Schulter…. Beginnt von unten und geht nach oben. Versucht euch hinein zu versetzen und zu spüren wie es arbeitet.

Wollt ihr noch einen Schritt weitergehen, könnt ihr beginnen euch bei dem jeweiligen Körperteil, auf das ihr euch gerade konzentriert, zu bedanken. Versucht euch dabei vorzustellen, wie ihr euch tatsächlich bei ihm bedankt. Sagt gedanklich: “Danke. Danke, dass du mich über Straßen trägst. Danke, dass du jeden Kilometer mitmachst, dass du immer wieder regenerierst und dies alles über dich ergehen lässt. Danke, dass du zu mir stehst.” Seid wohlwollend und repektvoll. Am besten ihr sprecht das laut aus, muss aber nicht zwingend. In Gegenden mit viel Verkehr, kann das mitunter verstörend wirken.

Ihr müsste das auch nicht direkt ins Laufen integrieren. Spaziert am Ende eine Runde um den Block oder geht in der Wohnung auf und ab. Beobachtet wie der Körper runterfährt und sich nach dem Laufen anfühlt. Vielleicht fällt es euch so am Anfang leichter. Die Vorgehensweise bleibt aber die gleiche.

Das Ganze hat nichts mit Spiritualität, übermenschlichem Einfluß, göttlichen Eingebungen oder schweben über die Laufstrecken zu tun. Es geht einzig um die Einstellung zu sich und seinem Körper. Es geht um Achtsamkeit und dem positiven sich und der “Maschine Mensch” gegenüber. Die Einstellung ändert sich völlig automatisch. Ihr bekommt ein neues Gefühl für alles. Könnt euch besser in die Abläufe hineinversetzen. Das Körpergefühl kann soweit gehen, dass ihr lernt besser mit Störungen umzugehen. Euch von diversen körperlichen Problemchen nicht unterkriegen zu lassen, sie zu akzeptieren, ihnen offenen gegenüber zu stehen und zu bekämpfen. Es kann euch helfen schneller zu heilen. Steht euch positiv gegenüber, der Rest kommt von ganz allein.

Ihr müsst selbstverständlich nicht soweit gehen und nun nicht jedesmal lauthals dankend über die Strecken laufen. Wir Sportler haben von vornherein eine andere Beziehung zu uns und der Maschine die uns antreibt, aber selbst ein wenig mehr Achtsamkeit und dem positiven sich gegenüber kann die Freude am Laufen, am Sport auf eine neue Ebene bringen und euch viele schöne, unbekannte Momente bescheren.

Achtsamkeit begleitet mich nun schon ein paar Monate. Mit der Zeit hat Sie bei mir auch den Weg auf die Laufstrecke gefunden. Man kann diesen Artikel also als Erfahrungsbericht sehen. Auch ich hadere mit mir, aber lang nicht mehr so viel wie noch vor einiger Zeit. Ich habe dadurch ein völlig neues Verständnis für mich und meinen Körper entwickelt. Achtsamkeit kann in allen Lebenslagen angewandt werden, aber das würde jetzt hier zu weit führen.

Viele achtsame Grüße, eure schnellen Beine.

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1 Kommentar zu „Wann habt ihr euch das letzte mal bedankt?“

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