Einfach. Glücklich. Sein.

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Einfach. Glücklich. Sein.

Vor kurzem las ich einen Artikel, in dem es mal wieder um das klassische Bild von Mann und Frau zu gehen schien. In vielen Köpfen schwirrt noch der Gedanke, dass der Mann den Nagel in die Wand schlagen muss und die Frau den Kochlöffel schwingen. Verwunderte Blicke bekommt man geschenkt, ist das Rollenbild vertauscht. Die Frau schwingt den Hammer, der Mann salzt das Essen. Im Kern des Artikels ging es aber nicht um die klassische Verteilung, sondern eher um die Frage ob vielleicht genau diese Aufteilung in einer Partnerschaft gewollt ist und ob es dem-, oder derjenigen die am Herd stehen oder Löcher in die Wand schlagen Spaß und sie genauso glücklich sind. Warum also, bevor man die Augenbraue hochzieht oder dem Mann verwunderte Blicke zuwirft, nicht fragen ob es ihm/ ihr so Spaß macht. Ob das alles so gewollt ist.

Keine Angst, dieses Blog mutiert nicht zum Beziehungsratgeber oder wird tiefenpsychologisch. Mich hat dieser Artikel nur zum nachdenken und erkunden der Handlungen in der Läuferwelt gebracht.

Wie sieht das klassische Bild des Läufers aus oder vielleicht anders gesagt, wie wird uns das Bild des laufenden Menschen propagiert?

Er sollte laufen ohne zu bremsen, immer breit grinsen und selbst nach dem härtesten Lauf noch ohne Probleme der Straßenbahn hinterher sprinten, lächelnd. So zumindest das Bild in den bunten Anzeigen.

Leider lassen wir uns zu oft davon verführen, erliegen dem Duft. Wir springen auf den Zug auf der als Haltestelle “Höher. Schneller. Weiter.” ansteuert. Dabei sind nicht nur die bunten Bildchen auf den Plakaten schuld. Scrollt man durch die sozialen Netzwerke, allen voran M. Zuckerbergs Schäfchen, bietet sich ein ähnliches Bild. Da werden Personen gefeiert und in den Himmel gehoben, die nach 3 Monaten schon 25 Kilometer unter 2 Stunden ballern. Da stehen Kommentare wie: “Boey. Super. Weiter so.” oder “Tolles Ding.” etc. Ich möchte hier gegen niemanden persönlich schießen, es sollte sich auch keiner persönlich angesprochen fühlen. Das trifft sicher auch nicht auf alle zu, allerdings auf der geballte Mehrheit.

Wann habt ihr das letzte mal jemanden gefragt, nachdem er laufen war, ob es ihm gut geht, ob es ihm Spaß gemacht hat, was er für Eindrücke hatte?

Was fragt man oftmals stattdessen?

Wie weit bist du gelaufen? Wie schnell warst du unterwegs?

Das ist das was zu zählen scheint. Gesundheit und allgemeines Befinden ist Nebensache. 30 Kilometer geballert. Super. Alles noch heil? Egal.

Dabei können wir ja eigentlich nichts dafür. Wir müssen so handeln. Wen interessiert wer 5 Kilometer gelaufen ist und dabei mehr Spaß hatte als auf längeren Strecken. Wir werden dazu getrieben. Kuck mal der läuft 50 – YEAH. Der nur 5 – PFFT. Warum schaffen wir es scheinbar nicht mit 5 Kilometern glücklich zu sein? Warum müssen wir immer nach dem nächsten und nächsten und nächsten Kilometer streben? Wahrscheinlich, weil wir denken es so tun zu müssen. Wir werden an diesen Leistungen gemessen. Aber ist man denn weniger Läufer/in, wenn man nicht Marathon ballert? Sollte man weniger gefeiert werden, wenn man nicht Sonntagmorgen gegen 05:00 Uhr, bei Minus 8 Grad zum langen Lauf aufbricht. Definitiv, NEIN. Man sollte sich die Frage stellen, ist der-, diejenige nicht trotzdem glücklich. Man sollte sich selbst fragen ob man glücklich ist. Wir sollten lernen mit den kleinen Dingen glücklich zu sein. Auch kurze Strecken sind gelaufene Kilometer. Wir sollten dankbar darüber sein, überhaupt laufen zu dürfen.

Versteht mich bitte nicht falsch. Es ist wunderbar die Geschichten der Menschen zu verfolgen die Kilometer um Kilometer sammeln. Aber wir sollten nicht immer denen nacheifern, die wieder ein Stück weiter gelaufen sind. Kurz nach dem Beginn des Laufens zweistellige Kilometerzahlen präsentieren zu können, nützt in erste Linie erstmal dem eigenen Ego und der Likerate. Gesund, kann das auf Dauer nicht sein. Und wenn man dann auf die Couch verbannt und zum zuschauen verdonnert ist – bekommt man dafür kein Like, höchsten Mitleid und den erhobenen Zeigefinger. Hättest du mal auf dich gehört. Glücklich macht diese Verdammnis nicht. Möglicherweise gehören ja manche zur Spezies derer, die alles wegstecken. Die sollen aber recht selten sein. Oft genug hören wir Geschichten vom Aufgeben und Verletzungen und es trifft auch jene, denen es leicht zu fallen scheint, siehe Florian Neuschwander, der erst kürzlich die Startnummer abriss.

Es wird immer jemanden geben der weiter läuft. Es wird immer wen geben der schneller läuft. Wir werden nie glücklich sein, wenn wir nicht glücklich mit dem sind, was wir momentan zu leisten im Stande sind. Wir scheinen nur glücklich zu sein bis zum nächsten Post in dem ein anderen 3x länger gelaufen ist. Dann geht die Jagd von vorn los.

Vielleicht habe ich aber auch mit allem was ich hier geschrieben habe unrecht.

Auf jeden Fall – lasst euch das Laufen nicht nehmen.

Viele glückliche Grüße, eure schnellen Beine. 🙂

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13 Kommentare zu „Einfach. Glücklich. Sein.“

  1. Hi Eric, Danke für den Artikel!!
    Meine Erfahrungen sind die, dass gerade Laufanfänger eher auf das Tempo und die Distanz schauen und sich ständig verbessern wollen.

    Ich selbst will mich nächstes Jahr am Marathon versuchen und Schraube die Laufkilometer nach oben, versuche aber so oft es geht im Wohlfühlbereich zu laufen.

    Mein Fitnesscenter-Kollege steht nun auch immer länger auf dem Laufband – er quält sich aber immer(!) durch! 1h Qual…
    Ich versuche ihm zu erklären, dass es beim Laufen um den Spaß geht, mein Ziel eine Art meditatives Laufen in einen hormondurchströmten Körper ist.

    Er kann das alles überhaupt nicht verstehen und meint, dass Laufen eine Quälerei sein muss. Ähnliche Erfahrungen mache ich bei anderen Gelegenheitsläufern, die ein paar Kilos verlieren wollen und immer im viel zu hohen Pulsbereich laufen und quälen („das ist mir sonst zu langsam“ – „das bringt sonst doch nix“)

    Gruß,
    Kai

    In denn Sinne: Viel SPASS(!)

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  2. Hey Eric, vielen Dank für den tollen Artikel, der in einer persönlichen Form noch bei mir unter „Entwürfe“ gespeichert ist. Irgendwie scheint es vor allem das Phänomen der Leistungsgesellschaft zu sein, das beginnt den (Hobby-)Sport zu dominieren. Für viele Läufer*innen in meiner Filterblase – darauf ist meine Weltsicht beschränkt – scheint das Laufen zu einer Art Zweitjob zu werden. Ich muss zugeben, dass das bei mir auch so war. Bis mich im letzten Jahr meine Sehnenentzündung wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hat.
    Die 2014 und 2015 gelaufenen Kilometer waren zwar viele, aber sie waren nicht alle wirklich glücklich gelaufen. Mein damaliges Credo „Der Plan ist der Plan und der Plan muss eingehalten werden“, will ich auf keinen Fall mehr unterschreiben.
    Die wenigen seit Mai 2016 gelaufenen Kilometer, sind glücklich gelaufen und hart erarbeitet. Zeitziele rücken mehr und mehr in den Hintergrund, sind aber noch präsent. Vielmehr will ich eine schöne Vorbereitungszeit für einen Lauf haben und die Zeit mit dem Wettkampf (mit mir selbst und für mich) abschließen. Wenn ich dann noch schneller abschließe als beim letzten Lauf: prima!
    Der Druck ist raus – vor allem der soziale – Bilder vom Laufen poste ich noch immer gerne, aber eher weniger Zeiten und Distanzen. Die Laufuhr habe ich eh geschafft und durch eine App auf dem Smartphone ersetzt. Da schaut man nicht die ganze Zeit drauf. Ich könnte jetzt noch viel schreiben, aber dann hätte ich einen Beitrag weniger, den ich in meinem Blog veröffentlichen kann ;).

    Grüße SBSTN.

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    1. Hey,
      danke für deinen ausführlichen Kommentar. Ich bin voll und ganz bei dir. Es ist eine neue Freude am laufen entstanden. Mittlerweile ist es, dass ich selbst mit einem gelaufenen Kilometer glücklicher bin als noch mit 30. Einen Plan habe ich schon lange nicht mehr, was nicht heißen soll, dass ich nie wieder nach einem trainieren werde. Ich werde mich aber davon nicht mehr geiseln lassen. Selbstverständlich freue ich mich auch über neue Bestzeiten, aber ich setze sie nicht mehr vorraus. Ich genieße das Laufen ansich. Wahrscheinlich hätte dieses Umdenken nie stattgefunden, hätte es nicht diese Pause gegeben, im Nachhinein bin froh darüber das Laufen nun so kennenlernen zu dürfen.

      Viele Grüße, Eric 🙂

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  3. Auf den Punkt getroffen! Mir ging es so mit dem Radfahren! Immer weiter, schneller, besser! Völlig vergessen worum es auch gehen kann, einfach mal inne halten, Natur genießen, Erlebnis genießen. Das werde ich jetzt wieder mehr in den Focus stellen. Sehr guter Artikel!

    Gruß Ansgar

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    1. Huhu,
      ich danke dir für deine Worte. Mir ging es lange auch so. Mittlerweile genieße ich das Drumherum ganz neu und anders, was mir viel mehr Freude am Laufen bereitet. Glücklich und zufrieden, könnte man sagen. 🙂

      Viele Grüße, Eric 🙂

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  4. Vielen Dank für den tollen Text 👍🏻
    Ja.. Bewerbungen (eigene und die anderer bzw über andere) machen einen ja erst in-/zufrieden.
    Wichtig ist, das positive zu sehen und wenn etwas doof war, hat man wenigstens draus gelernt und kann sich beim nächsten mal dran erinnern.

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  5. Sehr guter Artikel! Unglaublich gute Aussagen. Ich habe noch gar nicht so darüber nachgedacht aber du hast vollkommen recht. Viel mehr sollte man sagen was man alles schönes beim laufen gesehen und gedacht hat und nicht schon beim anfangen an das Ziel denken, denn der Weg ist das Ziel.

    Merci für den guten Text und viele Grüße

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