66. Crosslauf “Rund um den Windberg” – 8 km barfuß über Stock und Stein

66. Crosslauf “Rund um den Windberg” –

8 km barfuß über Stock und Stein

Es sind diese Wettkämpfe, es sind diese Veranstaltungen die man nicht nur laufen sollte, sondern laufen muss. Sie machen den Reiz und Charme des Laufens aus. Gegen solche Läufe stinken große Stadtmarathons ab. Nicht, das die nicht auch Ihren Platz haben und auch haben sollten, aber solche “Familientreffen” wie der 66. Crosslauf “Rund um den Windberg” in meinem Geburtsort Freital, sind sie nicht. Wegen solcher Traditionsläufe sollte man das Laufen lieben. Ich denke in jedem Ort gibt es sie. Liebevoll organisiert vom örtlichen Sportverein. Es gibt selbstgebackenen Kuchen, von Hand gekochten Tee, selbstgemachte Soljanka, keine beheizten Zelte, keine Kleiderabgabe, die Transponder zur Zeitmessung sind allesamt gebraucht. Die Anmeldegebühr betrug 5 Euro, die man vor Ort zu bezahlen hatte. Die Gewinner bekommen Stollen und Gutscheine. Alle wuseln durcheinander, es liegt eine Stimmung in der Luft, man trifft bekannte Gesichter, hört Namen die man kennt und trotzdem treffen sich gut trainierte Menschen die die Sache ernst nehmen, die dem Start entgegenfiebern.

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Der Verpflegungsbereich

Ich bin diesen Wettkampf schon einmal gelaufen. Es müssen ungefähr 30 Jahre ins Land gezogen sein seitdem. Ich war ein junger Spund, der sich mit Leichtathletik die Zeit vertrieb. Ich habe versucht Fotos oder Unterlagen von damals zu finden – leider vergeblich. Mittlerweile bin ich auf 36 Jahre gereift und versuchte erneut mein Glück an der Startlinie. Das ich hier mächtig weit hinten landen würde, war mir von vornherein bewusst, nicht umsonst sind das auch die Regionalmeisterschaften im Crosslauf. Aber darum ging es mir nicht. Es ging schlichtweg um das Motto “Erlebnis vor Ergebnis”. Zum Vergleich – der Gewinner meines Laufes lief 26:58 Minuten, ich 41:13 Minuten. Trotzdem bereitet ich mich vor, ganz so auf die leichte Schulter wollte ich es nicht nehmen, schließlich will man ja auch das Ziel sehen und die gelaufenen Kilometer dieses Jahr halten sich in Grenzen. Klar, es ist kein Marathon und vor ein paar Monaten hätte ich auch noch gesagt – 8 Kilometer gehen immer – aber die Zeiten haben sich geändert. Es sollte auch mein erster Wettkampf, barfuß, im Gelände werden. Ausgeschrieben ist es als mittelschweres Profil. Am Vortag hatte es noch ordentlich geregnet, trotzdem war die Strecke weniger schlammig als gedacht.

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Der Startbereich
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Der Zielbereich

Ich wälzte im Vorfeld tatsächlich Pläne über die 5 Kilometer – ja. ich weiß, es waren 8 -, um ein wenig Orientierung zu finden. Ich fühlte mich unvorbereitet. Zum Saisonauftakt am 16.10.2016 sah ich das noch lockerer. Ich suchte nach totalen Anfängerplänen. Klickte rum auf Runner’s World (einen Plan zum „einfach nur ankommen“), kramte bei Sportscheck (hier auf Anfänger) und machte selbst vor eigenen Überlegungen nicht halt, nur um zu sehen wie man sich die letzten Tage vor solch einem Wettkampf gestaltet. Ich dachte ich benötige das. Aber warum? Muss immer alles nach Plan laufen? Ich fühlte mich eigentlich gut, der Körper machte keine Zicken, die Strecke bin ich barfuß schon gelaufen – Was sollte also schief gehen? Warum sollte ich mich sinnlos unter Druck setzen und unnötige Gedanken machen? Ich beließ es dabei und machte einfach wie ich es für richtig hielt.

Ich freute mich auf den großen Tag. Es war eine ganz andere Freude, sie lässt sich schwer beschreiben. Es war eine Mischung aus allem. Die Freude darüber wieder laufen zu dürfen, die Freude darüber an einer Startlinie stehen zu dürfen, der Umstand, dass meine Familie (Eltern, beste Sportlerehefrau, Söhnchen) Lust hatte mich zu begleiten, die Freude darüber an einem Wettkampf teilnehmen zu dürfen in dem Ort in dem ich aufgewachsen bin. All das rundete den kompletten Tag zu etwas besonderem ab.

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Der Streckenplan

Es galt einen Rundkurs zu bewältigen, 4x 2 Kilometer. Dabei ging es ca. einen Kilometer bergauf, und einen wieder bergab. Eigentlich kannte ich die Strecke, kannte die Gegend, bin als Kind oft genug durch den Wald geräubert, trotzdem hatte ich Respekt davor. Ich wusste nicht was mich erwarten würde, ob nicht doch der Körper streikt, ob ich einen Geländelauf barfuß überstehen würde. Ich versuchte diese Gedanken so gut es ging beiseite zu legen.

Ich legte mir eine gewisse Taktik zurecht. Runde eins sollte als Inspektion gelten. Schauen was geht, wo waren Wurzeln, wo lagen Steine. Dementsprechend verhalten lief ich die erste Runde, sortierte mich auch direkt am Start ganz hinten ein. Bergab ließ ich es trotz alledem laufen. Alles ging gut. Runde eins, Haken dran. Meine Familie feuerte mich an als ob es um die Weltmeisterschaft ging, fantastisch.

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Der Startberg
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…noch mehr Startberg

Runde zwei sah ich schon lockerer. Der Untergrund lief sich gut, die Wurzeln ließen sich gut umlaufen und Steine waren zwar spürbar, aber die Füße steckten sie gut weg. Gegen Ende der Runde, es ging gerade bergab, hörte ich die Fahrräder die vor dem Feld herfuhren. Ich wurde das erstemal überrundet. Ich hatte fast damit gerechnet, dass es aber dann so schnell gehen würde. Und dann kam er schon angeschnauft, der Führende, da denkst du, du stehst – Schwupp, war er vorbei. Dann kam länger nichts, bis auch die Zweit-, und Drittplatzierten vorbeirauschten.

Das ging in Runde drei ähnlich weiter. Ich wurde noch ein paar mal überrundet, störte mich aber weniger. Ich überholte selbst noch zwei Läufer und genoss einfach das Laufen und freute mich auf meine Familie die am Ende jeder Runde wartete.

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Nur fliegen ist schöner.

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Runde vier machte ich bergab etwas schneller. Der Ehrgeiz hatte mich gepackt. Etwa 200 Meter vor mir lief noch einer, den wollte ich bekommen, war dann aber am Ende nicht so. Auf der letzten Runde bedankte ich mich noch beim meinem Körper. Ging die Stellen einzeln durch, besonders diejenigen die mich in vielen Monaten vorher im Stich gelassen hatten. Ich bedankte mich, dass sie gehalten haben und mich über die Strecke überstehen ließen.

Ich beendete den Lauf glücklich, zufrieden und mit einem dicken Lächeln im Gesicht. Meine Füße waren nass, auch der Dreck hat sich seinen Weg durch die Öffnungen gesucht. Ich holte mir einen warmen Früchtetee, besorgte mir zwei Muffins, ließ mich von meiner Familie umarmen. Später im Umkleidezelt bemerkte ich noch, dass ich meine lange Hose, die ich zum warmhalten an hatte, beim umziehen liegen ließ, aber da Sportler alles ehrliche Menschen sind, lag sie noch da wo ich sie fallen gelassen hatte. Den ganzen restlichen Tag begleitet mich noch eine gewisse Zufriedenheit, der Gedanke daran, das dieser Tag ein wundervoller war, an den ich mich gern zurück erinnere und vielleicht sieht man sich in 2017 wieder. Ich habe nichts dagegen.

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Wer braucht schon Medaillen.

Natürlich darf hier auch ein Fazit und die harten Fakten nicht fehlen.

Ich beendete den Lauf in einer Zeit von 41:13 Minuten auf Platz 64 insgesamt und Platz 8 in meiner AK. Es waren auf unserer Runde 71 Starter unterwegs. Vielleicht wären ein, zwei Minuten schneller drin gewesen, aber ich hatte dann doch etwas Ehrfurcht so schlicht besohlt in diesem Gelände. So wie es aussieht allerdings unbegründet. Einzig die Waden waren etwas verhärtet und die Füße müde, aber alles wie gewohnt. Das gibt mir Hoffnung für zukünftige Läufe.

Dies war nun schon der zweite Wettkampf in dieser Saison, die sehr spät begonnen hat. Ich weigere mich momentan schon ein Ende aufzurufen, sie hat doch gerade erst begonnen.

Viele liebe Grüße, eure schnellen Beine. 😉

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