1. Charity Walk & Run – 5 km zwischen Grünschnittcontainer und PAX-Schrank

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1. Charity Walk & Run –

5 km zwischen Grünschnittcontainer und PAX-Schrank

Eigentlich kam dieser 5 Kilometerlauf zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Daheim stapelten sich Kartons und Pappe, teils geöffnet, teils noch verschlossen. Verpackt darin, ein Kleiderschrank namens “PAX”. Vor der Haustür stand ein 10 Kubik Grünschnittcontainer den es zu füllen galt. Aber zwischen Aufbau und Gartenarbeit musste dieser Wettkampf einfach sein. Auch die weltbeste Ehefrau verstand das und schickte mir noch ein “Mach sie fertig” mit auf den Weg.

Dieser Wettkampf musste aus vielerlei Gründen sein. Als Belohnung, als Wiedergutmachung, als Hoffnungsschimmer, als Balsam für die Seele, als Zeichen es doch nicht verlernt zu haben. Der letzte Wettkampf lag über ein Jahr zurück. Es war ein Halbmarathon mit neuer Bestzeit. Danach ging nicht mehr viel. Verletzungsmimi und Gerangel mit mir selbst bremsten die Freude am laufen. Aber an diesem sonnigen Tag im Oktober lösten sich alle vorangegangenen Problem in Rauch auf. Der Silberstreif am Horizont war erreicht. Es war Raceday. Kurz nachdem ich noch ein wenig Grünzeug in den Container entsorgt hatte, machte ich mich auf den Weg.

Ich habe mich ein wenig schwer getan einen Anfang zu finden um hier ein paar Zeilen zu schreiben. Was soll man schon großartig über einen 5 Km Wettkampf schreiben. Start, Gas geben, Ziel. Ende.

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Starnummernausgabe
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Start-, und Zielbereich

Der Wettergott meinte es gut an dem Tag. Die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite und schenkte uns Läufern ein paar wärmende Strahlen. Ich war wie immer viel zu zeitig. 12 Uhr sollte Start sein. Ich trieb mich schon 90 Minuten eher da rum. Viel war noch nicht los. Ich holte mir meine Startnummer und bekam ohne Zuzahlung noch ein Shirt obendrauf. Ich spazierte zurück zum Auto, befestigte die Startnummer und relaxte noch ein wenig, hörte Musik und tippte ins Telefon.

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Der der läuft

Gegen 11:15 Uhr verstaute ich alle restlichen Sachen und lief langsam Richtung “Festgelände”. Mittlerweile waren ein paar mehr Menschen da, es hielt sich aber alles in allem in Grenzen. Der Kinderlauf startet gerade. Die Knirpse sprinteten eine Strecke von 800 Metern und hatte jede Menge Spaß dabei.

Die Veranstaltung fand dieses Jahr zum ersten mal in Leipzig statt, im Clara-Zetkin-Park, der grünen Lunge der Stadt. Der 1. Charity Walk and Run. Alle Einnahmen fließen zu 100% in die Stiftung “Junge Erwachsene mit Krebs”. Der Verein kümmert sich um Menschen zwischen 18 und 35 die diese Diagnose bekommen haben. Angeboten wurden Strecken von 800 m, 5 km walken/ laufen und 10 km laufen. Mehr als die 5 traute ich mir aber noch nicht zu.

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Ein Teil der Strecke im Clara Park
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Der Clara Park
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Karl-Heine Kanal
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Der Clara- Park

Ich trabte mich ein paar Minuten warm, suchte mir einen Platz in der Sonne und genoss die Strahlen.

Während ich das so chillte kam ein Läufer auf mich zu, zeigte auf die Zehenschuhe und grinste sich einen. Ich schaute auf seine Füße – er war komplett barfuss und lief auch so. Wir quatschten ein paar Minuten, philosophierten über’s barfuss laufen. Es stellte sich heraus, dass er aus Kroatien kam, seit einem Monat in Leipzig lebt und seit knapp 2 Jahren ohne Besohlung unterwegs ist. Wir wünschten uns Glück und mussten uns sputen zum Start – es war schon 2 vor 12. Ich sollte ihn auf der Strecke wieder treffen. Er war allerdings auf 10 Kilometer unterwegs.

Der Start verlief äußert unaufgeregt. Ein simples “LOS” vom Moderator und schon ging es ab.

Hmm…was gibt es großartig zu sagen. Es war geil. Geiles Wetter, schöne Strecke, endlich ballern und nach 22 Minuten und ein bissel war es wieder vorbei.

Es war der erste Wettkampf bei dem ich nicht überholt wurde. Nach und nach pirschte ich mich immer wieder an andere Läufer heran. Es war einfach geil zu sehen wie ich Schritt um Schritt Boden gut machte und sie überholte.

Dabei ging es mir nicht um das überholen an sich, es war einfach ein grandioses Gefühl da lang zu fetzen, die Füße über den Boden schweben zu lassen, dass der Laufstil funktionierte und die 180er Schrittfrequenz locker zu halten war.

Unterwegs traf ich wieder auf den Barfussläufer aus Kroatien. Da er ohne Uhr lief, gab ich ihm die Pace durch, 04:40 war allerdings zu schnell für ihn. Er sagte sein Wohlfühlschnitt wäre um die 05:00. Ich bremste mit ihm runter, er bedankte sich und ich machte mich wieder auf die Spur.

Ein paar Minuten später sah ich noch ein Paar nackte Füße. Ein Läuferin war ebenfalls unten ohne unterwegs.

Laut Garminchen war nach 4,75 Kilometern der Lauf zu Ende, nicht ganz 5 Kilometer, aber wen juckt das schon.

Gewonnen hatte ich nicht, soviel war klar. Mit einem Schnitt von 04:43 fühlte ich mich aber so. Einen Wettkampf geballert. Bis vor ein paar Wochen undenkbar.

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Ich trieb mich noch ein wenig im Start/ Zielbereich rum, futterte Brezeln, trank ein paar Schlucke, beklatschte nochmal den kroatischen Läufer und nahm noch ein Sonnenbad. Nach und nach trudelten alle Wettkämpfer ein und schon war Siegerehrung. Die schaute ich mir an, lief dann zu den ausgedruckten Ergebnislisten und staunte nicht schlecht. Ich war tatsächlich 2. in meiner AK geworden – von 4 Teilnehmer in meiner Altersklasse – trotzdem ein super Gefühl. Für die Platzierungen gab es Medaillen die ich gern mitnahm. Ich trabte Richtung Auto, fuhr heim, schnappte mir den Akku-Schrauber und stellte mich wieder an den PAX-Schrank, den ich noch am selben Abend erfolgreich aufbaute. Also ein durchweg erfolgreicher Tag.

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Der nächste Wettkampf ist bereits gebucht. Am 06.11.2016 gehe ich in meinem Geburtsort über 8 Kilometer beim 66. Crosslauf “Rund um den Windberg” an den Start. Die Saison 2016 kommt langsam in Fahrt.

Quelle: Bilder vom Zieleinlauf von Offene Blende.

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