Es sind die kleinen Dinge

Es sind die kleinen Dinge

Es ist fast genau 11 Monate her, da stand ich voll im Saft, befand mich in der Blüte meines Läuferlebens. Die letzten langen Läufe vor dem Berlin Marathon standen im Plan. Die Schuhe glühten, der Körper, der Geist, die Seele schrien nach Kilometern. Schneller, weiter und noch ein paar Meter mehr. Es machte Spaß, ich wollte es und lies es zu. Es sprach auch nichts dagegen. Alles war im Flow.

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Vor 11 Monaten war es auch das letztemal das ich Laufsachen im Urlaubsgepäck hatte. Ich durfte auf Hiddensee den letzten langen Lauf absolvieren. Ich drehte knapp 30 Kilometer auf der Insel – in den frühen Morgenstunden. Wer diese mal erkundet hat weiß, dass man bei 30 Kilometern fast das gesamte Eiland erlaufen hat – naja fast. Den Leuchtturm hatte ich nicht geschafft. Es war ein Lauf wie er besser nicht hätte sein können. Der optimale Abschluss einer fantastischen Vorbereitung.

Oftmals hatte ich auch bei Heimatbesuchen, in meinem Geburtsort (Freital), die Schuhe im Kofferraum liegen. Hier bietet sich die Möglichkeit wenigsten mal ein wenig Trailluft zu schnuppern. Direkt vor der Haustür erhebt sich der Windberg. Es ist zwar eher ein Hügelchen, aber für den Flachlandtiroler bietet sich die Gelegenheit ein paar Höhenmeter zu ballern. Auch ein paar Singletrails gibt es hier. Gern hatte ich das an einem Sonntagmorgen getan. Es ist die Stimmung im Wald, die unbeschreiblich ist. Tau hängt an den Blättern, die Luft ist feucht, die Stille und der gleichzeitige Atem haben etwas meditatives.

Aber das Alles ist in den letzten Monaten nicht möglich gewesen. Leid und #mimimi waren allgegenwärtig. Das Laufen war kein Laufen, es gab es schlicht und einfach nicht.

Anfang diesen Jahres ging es für ein paar Tage nach Binz. Es war der erste Urlaub der ohne Laufsachen im Gepäck angetreten wurde. Das ist selbstverständlich kein Beinbruch und überlebt habe ich es auch, aber als Läufer erkundet man gern mal andere Gegenden. Da läuft man gern mal auf unbekanntem Terrain. Es war auch nicht der erste Besuch in diesem Ort an der See, deswegen wären ein paar Kilometer auf der Strandpromenade, wenn die Gegend noch ohne Menschen ist und nur die Wellen einen begleiten, wundervoll gewesen. Es hatte nicht sein sollen. Schwamm drüber.

Es sind viele Monate seitdem vergangen. Es wurde viel gehadert, es wurden noch mehr Tränen verdrückt. Es gingen viele Heimatbesuche ohne Laufschuhe ins Land. Aber es sind die kleinen Dinge die neue Hoffung schüren. Seit einem Monat laufe ich wieder. Ja, ich maße mir an meinen Schneckenlauf und Vorwärtskommen als Laufen zu bezeichnen. Aber dafür muss ich mich eigentlich nicht entschuldigen. Es muss nicht immer in ‘nem 4er Schnitt gelaufen werden. Zur Zeit begnüge ich mich mit einem 7er Schnitt und wenn ich nicht die Uhr zur Streckenlänge und besseren Kontrolle benötigen würde, sie würde im Schrank verstauben. Ich bin froh überhaupt wieder, irgendwie, laufen zu können. Auch wenn ich es gerade so auf einen zweistelligen Kilometerstand in der Woche schaffe.

Ich laufe, dass ist die Hauptsache.

Und es geht voran. Es wird eine Zeit kommen, in der auch ich wieder in einer 5er Pace die Strecke entlang flitze und es wird geil werden. Ich freue mich darauf irgendwann wieder ordentlich zu ballern. Zeiten zu jagen und Kilometer zu schrubben. Aber ich habe es nicht eilig. Vor mir liegen noch viele Jahre Laufen, da kommt es auf ein paar Tage mehr oder weniger nicht an. Ich möchte Verletzungen hinter mir lassen und laufen, laufen, laufen.

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Nun steht der nächste Urlaub bevor. Morgen geht es in den Süden. Rhodos wird es werden. Zwei Wochen Sommer, Sonne, Familie und Erholung. Die Koffer sind gepackt und es werden Laufsachen im Gepäck sein. Hosen, Schuhe, Shirt. Es ist ein fantastisches Gefühl die geliebten Klamotten wieder einpacken zu dürfen. Ich freue mich auf ein paar Runden in unbekanntem Terrain. Ich freue mich darauf ein neues Land läuferisch zu erkunden. Es werde nicht viele Kilometer werden, aber es werden welche werden und das ist die Hauptsache. Laufen ist nicht alles, aber für eine geschundene Seele ist es das Größte, wenn man endlich wieder Laufen kann. Wo auch immer.

Im Oktober geht es übrigens wieder für ein paar Tage nach Binz. Die Laufsachen werden im Gepäck sein. Da ist noch eine Rechnung offen.

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10 Kommentare zu „Es sind die kleinen Dinge“

      1. Ja die Konkurrenz bei den Beautybloggern ist halt doch groß, war nur eine Frage der Zeit bis zu wieder zu uns Laufbloggern zurück kommst 😉

        Gefällt 1 Person

  1. Oh ja… kenne ich… auch ich komme so langsam… wirklich langsam, wieder in die Puschen. Laufe nur nach Laune und Lust. Um drin zu bleiben. Gestern habe ich mir den Strava-HM Plan mal geladen… kein Ziel im Auge… nur mal wieder nach Plan laufen und schauen was das Knie macht… Und wieder etwas Tempo bekommen…
    Freue mich das alles zu lesen das es bergauf bei dir geht – steht der Berlin Marathon noch?
    Wünsche dir einen wunderschönen Urlaub!!!

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    1. Hey, 🙂

      nein, der Berlin Marathon ist für dieses Jahr abgesagt. 😥 Gesundheit geht vor. Außerdem wäre ich mehr als nicht für diese Strecke.

      Der Urlaub war super erholsam und die Laufschuhe waren das erste was ausgepackt wurde. 😀

      Liebe Grüße 🙂

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