Unsere Füße sind unser Kapital

fussabdruck_schnelle_beine

Unsere Füße sind unser Kapital

Ich habe eine Weile überlegen müssen, wie ich diesen Artikel schreibe. Ich wollte es keinesfalls so darstellen, als wäre der Prophet über mich hergefallen und hätte mir den Kopf gewaschen. Natürlich möchte ich mit diesen Zeilen auch nicht missionieren. Ich versuchte es am Ende so wie ich es wahrgenommen habe und wie mir ein Licht am Ende des Tunnels erschien und es nun mal wieder soweit ist, dass die Hoffnung ein winziges Samenkörnchen gestreut hat und wie ich einen radikalen Schnitt vornehme, da ich außer dem Laufen nichts mehr zu verlieren habe… wie ich es schon oft betont habe:

“Ich möchte Laufen.”

Die erste Bibel, so nenne ich es jetzt mal, bewusst übertrieben, erschien mir mit Kelly Starretts “Ready to run”. Es beschreibt den menschlichen Körper und dessen Abgründe an die wir ihn über die Laufe der Jahre immer wieder geführt haben. Außerdem zeigt es Möglichkeiten auf diesen wieder in seine ursprüngliche Form zu bringen. Besonders hängengeblieben bin ich beim Abschnitt über die Füße. Ich habe mir bis zu jenem Zeitpunkt nie Gedanken über die zwei Teile da unten gemacht. Sie waren einfach da, eingepfercht in Schuhe.

Die Füße – 26 Knochen – zusammen ein Viertel der gesamten Knochen des menschlichen Körpers. Sie sind unsere Reifen und werden in die schlimmste Erfindung gesteckt die man ihnen zumuten kann – Schuhe. Keine Angst, ich möchte hier niemandem die Besohlung madig reden. Im Gegenteil – auch ich mag Schuhe. Sie haben ein Höchstmaß Einfluss auf mein äußeres Erscheinungsbild, aber durch besagtes Buch rollte der erste Stein des Anstoßes der ein kleines Umdenken hervorrief. Da steht, man sollte so wenig wie möglich Schuhe tragen und wenn dann nur dünne Sohlen. Es wird zu mindestens einem Barfußtag in der Woche aufgerufen.

Ich habe mir, seit ich “Ready to run” gelesen habe, angewöhnt so oft es mir möglich ist barfuß zu laufen. Daheim lässt sich das wundervoll umsetzen. Im Garten, im Haus bin ich nur noch ohne Schuhe unterwegs. Auf Arbeit laufe ich im Büro nur in Socken. Im normalen Alltag trage ich weiterhin Schuhe. Ich möchte auch nicht darauf verzichten, aber ich gönne den Füßen viel Auszeit.

Nun ist mir vor einiger Zeit noch Christopher McDougalls Buch “Born to run” unter die Augen gekommen. Es versucht das Geheimnis der Tarahumara zu lüften. Einem Läufervolk das es schafft hunderte von Kilometern nur in primitiven Sandalen zu laufen und von Verletzungen weitestgehend verschont zu bleiben scheint.

Schuhe behindern unsere Füße an der natürlichen Bewegung. Sie zwingen sie sich auf eine Weise zu bewegen für die sie nicht geschaffen sind. Und dabei sind nicht nur unsere Alltagschuhe gemeint. Es wird mehrfach betont, dass die Erfindung des modernen Laufschuhes (Nike 1972) maßgeblich an der Verletztungsrate der Läufer beteiligt ist. 65- 80 % aller Läufer verletzen sich Jahr für Jahr.

Diese Buch geht sogar noch einen Schritt weiter. Es wirft die Fragen auf: “Warum laufen wir überhaupt in Schuhen?” “Wie maßgeblich sind Schuhhersteller bzw. Schuhe an Verletzungen durch das Laufen beteiligt?” und “Können wir alle zu verletzungsfreien Läufern werden, wenn wir die Schuhe weglassen?” Letztere Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Es gibt Läufer, die laufen ein Leben lang in Schuhen und sind nie verletzt. Dann gibt es Läufer die hangeln sich von einer Verletzung zur nächsten und von einer Schuhmarke zu nächsten – ohne Besserung. In vielen Fakten dieses Buches habe ich mich wiedergefunden.

Beschwerden an der Achillessehne, Plantarreizung, Probleme mit dem Knie. Alles Wehwehchen die einem Läufer das Leben zur Hölle machen können und die oftmals von Schuhen hervorgerufen werden. Alles Dinge die mir persönlich wiederfahren sind. Liegt es am Schuh? Nach dem Lesen der Seiten halte ich das für absolut möglich. Weswegen ich mich zu einem etwas radikalen Schritt entschlossen habe. Ich werde zukünftig die Schuhe beim laufen weglassen. Fast zumindest.

vibram_five_fingers_schnelle_beine

Ich würde diesen Weg nicht gehen, wenn ich nicht ständig von Verletzungen heimgesucht geplagt wäre. Ich habe nichts zu verlieren. Momentan stehe ich mit dem Laufen fast am wieder Anfang bzw. habe ich zur Zeit nicht den Druck oder Stress irgendwas schaffen zu müssen. Ich habe alle Zeit der Welt mich an die neuen “Schuhe” zu gewöhnen. Im gleichen Atemzug möchte ich meine Technik verbessern. Ich werde meinen Laufstil umstellen und die Schrittfrequenz versuchen auf 180 pro Minute zu steigern. Dabei werden mich hoffentlich die “VIBRAM® FIVEFINGERS®  BIKILA EVO 2” unterstützen, die seit ein paar Tagen Einzug in den Schrank gefunden haben. Ob das ganze Früchte trägt und ob es das Allheilmittel ist wird sich zeigen, aber einen Versuch ist es wert. Zu verlieren habe ich nur das Laufen.

Unterstützend zu diesem Prozess habe ich angefangen Fitnesstraining für die Füße zu machen. Bereits im Vorfeld zu meinen Recherchen, wie und was für mich in Frage kommen könnte, bin ich über das Programm auf der Seite von “VIBRAM®” gestoßen. Es zeigt diverse Übungen, die man tun kann um die Füße zu stärken und ans Barfußlaufen zu gewöhnen. Seit ein einiger Zeit heißt es nun mehrmals wöchentlich Zehen spreizen, Zehengriff, Fußrücken und Fußsohlen beugen, Zehen tippen usw. Wen das genauer interessiert, der findet hier die genaue Anleitung zu diesem Programm.

blackroll_schnelle_beine

Außerdem, und das hätte ich selbst nicht für möglich gehalten, gibt es eine Übung die mir über Twitter näher gebracht wurde. “Auf der Blackroll stehen”. Klingt komisch, funktioniert in meinem Fall aber hervorragend. Ich hatte immer wieder einen leicht geschwollenen rechten Fuß. Das kommt daher das meine Fußsohle im Gewölbe verhärtet war. Selbst normales Rollen oder die schmerzhafte Bearbeitung mit dem Ball hat keine Abhilfe geschaffen. Bis zu jenem verhängnisvollen Tag, als ich mich das erstemal auf eine Rolle stellte. Es war, gelinde gesagt, die schmerzhaft Hölle. Ich stand genau auf besagtem Fußgewölbe. Aber im Nachhinein war es eine Reise in den Himmel. Die Schmerzen im Gewölbe ließen schon nach der ersten Runde “Steh-auf-Männchen” nach und es verbessert sich immer weiter. Der Fuß ist mittlerweile viel weniger geschwollen und das fühlt sich fantastisch an. Mit der gleichen Übung bekomme ich scheinbar auch ein paar Probleme am Knöchel/ Sprunggelenk in den Griff, die sich mehr und mehr minimieren.

Meinen Füßen geht es besser, seit ich mich um sie kümmere.

Ich möchte hier auf gar keinen Fall Partei für das Barfußlaufen ergreifen. Habe es ja selbst kaum getan und meine Erfahrung damit tendiert gegen Null. Auch soll das hier kein Artikel sein, der mit erhobenen Zeigefinger wedelt. Alle Fakten die ihr hier lest, stammen aus den beiden Büchern und sind für mich absolut schlüssig und nachvollziehbar dargelegt. Sie haben mich zum Nachdenken angeregt. Als ich mit dem Laufen begann hatte ich nichts außer Freude daran. Selbst wenn ich das Gefühl hatte, in letzter Zeit, es könnte laufen, kamen die Wehwechen wieder. Ob es tatsächlich an den Schuhen liegen könnte und ob diese einen Teil zum #mimimi betragen, das bleibt abzuwarten. Ich hoffe nur auf die Strecke zurückzufinden und wenn ich dafür die Schuhe im Schrank lassen muss. Wenn nicht, finde ich einen anderen Weg.

Advertisements

15 Kommentare zu „Unsere Füße sind unser Kapital“

  1. Vor etwa zwei Jahren hab ich angefangen, nach jeder meiner Laufrunden immer noch eine kleine Barfuß Einheit hinterher zu schieben, eigentlich aus reiner Neugier, es gab keine Notwendigkeit wegen irgendwelcher Schmerzen. Erst nur einige hundert Meter, später immer mehr. Parallel dazu sind meine Schuhe auf 0mm Sprengung „gesunken“ (inkl. diverser Experimente zwischendurch). Einfach nur weil es mir Spaß gemacht hat (und immer noch macht), wurde der Barfuß-Teil mehr und mehr, mittlerweile sind 10-15km keine Seltenheit. Je nach Anforderung laufe ich mit oder ohne Schuhe, gerne eher minimale Dinger, aber nicht zwingend. Mit FiveFinger konnte ich schon nach kurzer Zeit irgendwie nix mehr anfangen, die hatten auf meinen üblichen Strecken keinen Mehrwert, dann lieber ganz ohne.
    Fazit bisher: fang laaaaangsam mit einer Umstellung an, sowohl vom Umfang als auch vom Tempo. Der Erfolg kommt langsam aber stetig. Gönn den Füßen Regenerationzeiten, anfangs reichen 1-2 kurze Läufe pro Woche.
    Gefühlt fällt mir das Laufen ohne Schuhe übrigens mittlerweile leichter, vom Tempo gibts schon keinen Unterschied mehr. Wenn die Fußsohlen noch stabiler werden (das ist der längste Prozess), dann werden die Strecken auch noch länger. Die Fußgelenke sind wesentlich stabiler geworden, umknicken ist kein Thema mehr, der Fuß passt sich wunderbar an solche Situationen an.
    … man kann über dieses Thema wahrscheinlich sehr viele Bücher schreiben 😉
    Ich wünsche dir viel Glück, mach da keine Wissenschaft draus, wir sind alle unterschiedlich, deshalb hör auf _deinen_ Körper.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für dein ausfühliches und sehr informatives Feedback. Da ich momentan eh noch langsam machen muss, passt die Umstellungs auf das Barfußlaufen ganz gut in den Plan. Ich habe bei meinem ersten Testlaufvor ein paar Tage festgestellt, wie sehr der Fuß ackern muss und wo schon nach kurzer Zeit „Schmerzen“ auftreten. Ich denke aber, und du bestätigst es auch, dass das langsam aber sicher besser wird, der Fuß braucht nur Erholung und Gewöhnung. Aber dein Kommentar stimmt mich positiv auf die ganze Sache, auch wenn es ein längerer Prozess werden kann. 🙂

      Gefällt mir

  2. Ein wunderbarer Artikel, der mir aus der Seele spricht. Ich habe auch beide Bücher gelesen und wurde gerade von „Born to Run“ regelrecht infiziert. Wohlgemerkt nicht etwa mit einer Art Barfuß Doktrin, sondern mit dem Interesse, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Resultat: Ich laufe seit über einem Jahr im Alltag in Barfußschuhen wo ich muss (Arbeit, Winter….) und verbringe den Tag barfuß wo ich kann (Zu Hause…) Laufen tue ich durchaus in Schuhen (Verschiedenster Ausprägungen), aber gerne auch mal Barfuß, vor allem das Auslaufen einer jeden Einheit mache ich seit einiger Zeit immer barfuß… Es schient mir gut zu tun, trotz Plattfüßen bin ich jetzt im dritten Laufjahr verletzungsfrei.
    Du hast das wirklich schön geschrieben, eben nicht missionarisch, sondern augenzwinkernd und augenöffnend!

    Gefällt 1 Person

  3. Das Problem sind – meiner Meinung nach – nicht die Laufschuhe. Ich würde behaupten, dass das Verletzungsrisiko bzw. die Belastung als solche (die auf Dauer dann zu Überlastungsschäden führt) niedriger und die Leistungsfähigkeit höher sind, wenn man in Laufschuhen läuft und nicht in Barfußschuhen bzw. ganz ohne Schuhe – solange ich nur einen einzelnen Lauf betrachte.

    Das eigentliche Problem ist ja vielmehr, dass die Fußmuskulatur eines Menschen heutzutage meist vollkommen verkümmert ist. Daraus entstehen letztlich die vielen Probleme und wie du richtig schreibst: Man muss den Füßen Freiheiten geben und sie fordern, damit das nicht mehr passiert. Ob das durch minimalistisches (oder gar kein) Schuhwerk im Alltag, spezielle Übungen oder FiveFingers o.ä. passiert, ist der Fußmuskulatur letztlich egal. Und sobald die Fußmuskulatur vernünftig ist, lässt es sich dann auch in „normalen“ Laufschuhen ganz wunderbar verletzungsfrei laufen.

    Gefällt 1 Person

    1. DAS ist genau der Punkt. Mit einem guten Laufstil kannst Du auch in allen Schuhen laufen. Dämpfungsmonster sind für Laufanfänger völlig kontraproduktiv, weil sie schlechten Stil erst ermöglichen

      Gefällt 1 Person

    2. Ich danke dir für deinen ausführlichen Kommentar und deine Meinung. Du hast damit völlig recht. Die Fußmuskulatur ist durch Schuhwerk komplett vernachlässigt und verkümmert. Ob und wie sie gestärkt wird ist dem Fuß auch völlig schnuppe, aber ich denke durch das Barfußlaufen bzw. durch das Laufen in Vibrams wird der Prozess des stärker werdenden Fuß optimal unterstützt und bildet eine gute Trainingsalternative. Ob ich irgendwann nur noch in Barfußschuhe unterwegs sein werde, wird die Zeit zeigen. Aber ich werde meine Schuhwahl auf jeden Fall besser überdenken und wenn die Füße gut damit zurechtkommen eher auf Minimalschuhe ausweichen.

      Gefällt mir

    3. Hallo Hannes,
      da hast du Recht, unsere Knochen, Muskeln, Bänder, Gelenke und Faszien brauchen Belastung und Bewegung um in Funktion bleiben zu können. Bekommen sie diese nicht, gehen sie unter.

      Vieles, was uns angenehm erscheint, weil es gepolstert und weich ist oder unterstützend wirkt, lässt unseren Körper in Wirklichkeit auf Dauer verkümmern. Wie eingegipst wird unser Fuß in einer festen, vordefinierten Position gehalten.

      Die Muskulatur hält die Spannung in unserem einzigartigen architektonischen Meisterwerk nicht mehr alleine aufrecht und die Gewölbestruktur kollabiert. Es wirkt nicht mehr als Stoßfänger. Hinzukommen schwerwiegende Folgen: Plattfuß, Fersensporn, Entzündungen der Plantarsehne (Plantarfasziitis) und vieles mehr.

      Gefällt 1 Person

  4. Mit FiveFingers liebäugele ich auch schon seit längerer Zeit. Nicht weil ich irgendwelche Schmerzen habe (toi,toi,toi…auf Kopf klopf), sondern wegen des „natürlichen“ Laufens. Sicherlich hast du und die Autoren der Bücher recht. Ich wünsche dir jedenfalls, dass du damit an dein Ziel und wieder zum Laufen kommst…zum schmerzfreien Laufen. Berichte mal von Zeit zu Zeit über deine Fortschritte..

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für dein Feedback 🙂 Ich kann über die Vibram bis jetzt nichts negatives berichten. Auch der erste echte Laufversuch gestern hat diesen Eindruck bestätigt. Es fühlt sich gut an, sie sitzen wie angegossen und der Konatkt zum Boden ist unmittelbar. Ein schönes Barfußgefühl.

      Gefällt 1 Person

  5. Gute Entscheidung so selten wie möglich Schuhe zu tragen. Ich selber trage sie immer nur dann wenn ich außer Haus bin, daheim habe ich maximal Socken an und selbst dass dank Fußbodenheizung zu gut wie nie.
    Nackte Füße sind einfach am angenehmsten und selbst bei niedrigen Temperaturen sind meine Füße selten so kalt dass ich Schuhe brauche.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich danke dir für deinen Kommentar. Ich bin auch immer dem Trugschluß unterlegen, dass ich ohne Schuhe kalte Füße bekommen würde. Das hat sich aber schon nach kurzer erledigt. Sie sind viel besser druchblutet und somit auch barfuß eigentlich immer angenehm warm.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s