Der Anfang vom Anfang – Zum Läufer mutiert

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Der Anfang vom Anfang –

Zum Läufer mutiert

Wer meinen Blog verfolgt oder mich in anderen sozialen Netzwerken stalkt, hat sicher schon einmal irgendwo von meinem früheren Leben als Kraftsportler gelesen. Obwohl das nicht ganz stimmen mag – früheres Leben – ich bezeichne mich gern als laufenden Kraftsportler. Ich bin dieser Art der körperlichen Ertüchtigung nach wie vor treu, wenn sich auch die Art und Weise meines Trainings geändert hat. Von einer typischen Läuferfigur bin ich weit entfernt, trotzdem bringe ich mittlerweile ca. 14 kg weniger als den besten Kraftportzeiten auf die Waage. Sprüche wie “Passt du überhaupt noch ins T-Shirt?” oder “Gab es das auch in deiner Größe?” wurden ersetzt durch “Du bist aber dünn geworden.” oder “Du siehst aber schlecht aus.” Freilich von den selben Leuten. Aber darum soll es in diesem Artikel nicht gehen. Ich möchte euch gern über den Einstieg oder anderes geschrieben den Wiedereinstieg ins Läuferdasein berichten. Wie wurde aus mir ein laufender Kraftsportler? Wie gestalteten sich die Anfänge des Laufens und wie einfach war es noch vor ein paar Jahren, getreu dem Motto “Schuhe an und los”. Ich habe mir in letzter Zeit oft die Frage gestellt: “Warum läuft es nicht rund?” “Was war am “früher” besser?” Dabei bin ich immer wieder auf die Anfänge gestoßen. Trotzdem muss ich eines vorwegnehmen – Ich habe noch keine befriedigende Antwort gefunden. Aber die Erinnerungen an die ersten Schritte auf der Strecke sind belustigend, erschreckend und dennoch ein wenig aufschlussreich.

2008 bin ich in den Eisensport eingestiegen. Seitdem bin ich, so könnte man es ausdrücken, Dauersportler. Seit jenem Jahr gab es kaum eine längere Pause ohne Sport, nur das Laufen gab es damals noch nicht. Das Studio war mein Zuhause. Tonnenweise Gewicht, Schweiß, geballtes Testosteron. Alles drehte sich um die perfekte Aufnahme von Proteinen zur rechten Zeit. Die Waage, um das Essen wiegen, der ständige Begleiter. Wenig Körperfett, gemeißelte Definition, Diäten. Mit 96 kg Lebendgewicht und einem Körperfettanteil von knapp über 10% war ich 2011/12 auf dem Höchststand meiner “Eisenkarriere” angekommen. Cardio gab es zu diesem Zeitpunkt nur auf dem Fahrrad oder dem Crosstrainer.

Irgendwann begann ich nach Alternativen zu diesem ewigen Gekurbel auf dem Fahrrad zu suchen. HIIT, Treppenläufe, Bergsprints sollten die Fettverbrennung noch ein wenig mehr antreiben. Der Tag kam und ich suchte meine alten Tennisschuhe, die ich sonst auf dem Sandplatz trug heraus. Hart, alt, verstaubt – egal. Dazu ein paar alte Jogginghosen die bei jedem Schritt raschelten, ein Baumwollshirt, einen Wollpulli, dicke Baumwollsocken, selbst gestrickte Handschuhe, Wollmütze. Wie ihr lest, es war Winter als ich den Entschluss faste dem Fahrrad abzuschwören. Das war es. Keinerlei technischer Schnick-Schnack, keine Laufuhr, keine App die mitläuft. Nur ich, die ollen Klamotten und die Kälte.

Ich wohnte damals in der Nähe einer Treppe die für meine Zwecke völlig ausreichend war. Stufen habe ich nicht mehr genau im Kopf. Die Strecke bis dahin betrug ca. 1km. Die trabte ich bis hin, fegte die Treppe auf und ab und trabte wieder heim. Ich keuchte als gäb es kein Morgen mehr. Der Puls raste, ich schwitze als stände ich unter einer Dusche, aber ich kam wohlbehalten daheim an. Gelaufen war ich ca. 2km plus Treppenstufen. Ich dachte ich kann nicht mehr stehen und brauchte eine Ewigkeit bis sich der Körper wieder auf einen normalen Level befand. Aber das Gefühl – unbeschreiblich. Den Sauerstoff tief zu spüren, die Luft beim atmen zu sehen, es war als würde ich eine neue lang vergessen Welt kennenlernen. Ich hatte Blut geleckt. Ich wollte wieder in die Natur.

Ich mache einen kurzen Schwenk auf die längere Vergangenheit. Ich schreibe immer wieder “Wiedereinstieg” oder “Vergessene Welt”. Ich war schon einmal “Läufer”. Ich war schon einmal auf den Laufstrecken dieser Welt unterwegs. Das begann im zarten Alter von 6 und endet mit 16. In diesem Zeitraum war ich Leichtathlet mit Schwerpunkt Laufen. Zwischendurch habe ich eine zeitlang Tennis gespielt, also so ganz unbekannt war mir die Bewegung an der Luft nicht. Trotzdem hatte ich sie verlernt.

Das zog sich eine Weile lang hin. Die schlabbrigen Sachen an, die ollen Schuhe an die Füße und los. Zur Treppen gesellten sich noch diverse andere Einheiten. HIIT beispielsweise. Ich suchte mir eine gerade Strecke, lief mich bis dahin warm. Danach sprintet ich 50-100 m machte 20 Liegestütze und sprintet zurück, trabte zweimal hin und her und begann das Ganze von vorn. Bis ich fast aus den Latschen kippte. Ich versuchte viel Abwechslung ins Training zu bringen.

Das war auch der Punkt an dem sich langsam der Wandel vollzog. Ich begann immer länger auszutraben. Drehte hier mal noch eine Schleife, bog da mal zu später ab. Aber das waren alles noch keine langen Strecken. Da kamen maximal 3 Kilometer zusammen. Ich bin mir nicht ganz sicher wann genau der Wendepunkt erreicht war. Ich denke aber es ist auf die Anmeldung beim Firmenlauf 2013 zurückzuführen. Spätestens da begann ich gezielt auf die 5km Strecke zu trainieren. Obwohl man von Training eigentlich nicht sprechen kann. Ich wollte die 5 Kilometer irgendwie überstehen, weswegen ich diese Strecke auch im Vorfeld einmal laufen wollte. Also lief ich sie. Mit längerer Strecke kamen auch die ersten Gedanken auf neue Ausrüstung. Ich lief ja immer noch in den alten Tennislatschen. Schuhe mussten her und ich denke ab diesem Zeitpunkt könnte man mich als “Läufer” einstufen.

Ich kaufte mir meine ersten “Laufschuhe” bei Amazon anhand von Kundenbewertungen. Ein Paar K-Swiss. So im Nachhinein betrachtet waren es wahrscheinlich gar keine Schuhe die für das Laufen gedacht waren, aber sie fühlten sich im Vergleich zu den Tennisschuhen an wie auf Wolken. Die Klamotten blieben die Gleichen. Jogginghose, Baumwollshirt, dicke Socken, aber es gesellte sich die erste technische Errungenschaft hinzu – eine App – die von Runtastic sollte es sein inkl. Oberarmtasche. Allerdings lief ich komplett ohne Ansage, einfach nur zur Überwachung der Strecke.

Ich kann mich an eine Geschichte erinnern. Ich lief, komplett ohne Plan, es sollten irgendwas zwischen 3,5 und 4 Kilometer werden. Aber ich verlief mich und kroch nach einiger Zeit auf dem Zahnfleisch, aber ich lief weiter. Am Ende standen knapp 7 km auf der App. Ich war glücklich und komplett am Ende gleichermaßen.

Noch versuchte ich den Kraftsport und das Laufen parallel zu betreiben. 3-4 Tage Studio, 2-3 Tage Laufen. Das funktionierte aber nicht auf Dauer. Ich befand mich noch auf dem Weg zu meinem ersten 5k Wettkampf und entschied mich bis dahin für’s Laufen.

Durch diesen Wettkampf, gesponsort von meinem Chef, kam ich an meine erstes Funktionslaufshirt. Na das war mal was. Kein labbriges Shirt mehr tragen. Schweißabsorbierende Kleidung, wenigstens für obenrum. Klasse. Ich fand mehr und mehr Gefallen. Schleppte aber immer noch meine 96 kg mit mir herum. War mir zu diesem Zeitpunkt egal. Es kam auf keine Zeit an. Es ging nur um’s Laufen und ankommen. Die 5 Kilometer beim Firmenlauf schaffte ich ohne Probleme. Den Zieleinlauf des ersten Wettkampfes gibt es in bewegten Bildern. Ich bin Nummer 5143

Eine Entscheidung musste getroffen werden. Laufen oder Kraftsport. Im selben Jahr finishte ich im September meinen ersten 10 Kilometer Wettkampf, im Rahmen des Stadtlaufes, ohne Schwierigkeiten. Ich besaß nun ein zweites Laufshirt, mittlerweile auch eine dementsprechende Laufhose und “echte” Laufschuhe. Ich war nun ein laufender Kraftsportler.

Meine erste Laufuhr bekam ich im Folgejahr zum Geburtstag geschenkt und schmiss mich Ende 2014 in den Lostopf für den Berlin Marathon. Ich war bin ein Läufer der Kraftsport liebt.

Im Zuge der Vorbereitungen auf den Berlin Marathon nahm 14 Kilogramm ab und fühle mich mittlerweile pudelwohl. Mir sind 82 Kilogramm geblieben, ja nach Kuchenlage.

Was hat sich nun in den letzten Jahren geändert? Ganz klar das Training im Studio, wenn ich laufen kann, trainiere ich auch um das Laufen herum. Ich habe die Einheiten dem Sport angepasst. Gern mal in Richtung Cross-Fit, etwas mehr Wiederholungen und in Anlehnung an Stabitraining. Wenn ich nicht laufe, trainiere ich auch gern mal wieder im rein klassischen Sinne. 10-12 Wh. im 3er – 4er Split – wie momentan.

Ob es sich beim laufen in eine positive Richtung entwickelt hat sehe ich zwiegespalten. Einerseits bin ich in der Lage ohne große Problem lang und weit zu laufen (wenn es denn geht), andererseits plage ich mich immer wieder mit Wehwehchen rum. Es ist mehr Druck dazu gekommen, den ich mir selbst mache. Die Freude an der Bewegung, die Unbeschwertheit ist auf der Strecke geblieben. Mir macht das Laufen Spaß, keine Frage. Ich genieße jeden Meter, aber auch ich bin im Strudel von höher, schneller, weiter. Ich finde das nicht schlimm, es gibt mir nur manchmal etwas zu denken. Ich bin kein Technikfreak, werte meine Einheiten nicht bis auf die letzte Zehntel aus. Ich zeichne zum Überblick auf. Außerdem bin ich nicht bereit Unmengen an Geld für Kleidung und Schuhe auszugeben. Klar möchte ich gute Schuhe tragen, kaufe diese aber meist im Sale. Genauso verhält es sich mit Funktionskleidung. Die kaufe ich auch mal beim Discounter und es läuft sich darin auch nicht schlechter. Aber bevor ich hier ganz von Thema abschweife…kurz und knapp.

Ich bin zum Läufer geworden und möchte dies auch bleiben.

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5 Kommentare zu „Der Anfang vom Anfang – Zum Läufer mutiert“

  1. Hey, ich bin über Deinen Blog gestolpert wegen der Sally Challange. Ich finde Deine Seite klasse 🙂 Was ich nicht finde: wie kann ich sie abbonieren?
    PS: Habe selber eine Challenge gestartet Anfang des Jahres: 100 Pushups jeden Tag, das Ganze Jahr durch. Auch mit einer Googletabelle…
    https://docs.google.com/spreadsheets/d/1xAIFsX7shvF_ghucwCDsZuFnktOaIVXcknfIl3AoeFE/edit#gid=0

    Hier meine Challange:
    http://forum.runnersworld.de/forum/tagebuecher-blogs-rund-ums-laufen/104719-36-500-pushups-challenge-2016-jeden-tag-100-stueck.html

    Und hier mein eigener (jungfräulicher) Laufblog: hhtp://laufnase.de

    Ich werde hier weiterhin gerne mitlesen und als Erstes Dein Rezept mit den Currylinsen ausprobieren.
    Liebe Grüße Markus aka Gecko.

    PS: Werde Deinen Blog mal in meinem Thread zur 36.500 Pushup Challange verlinken.

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Markus, deine Challenge ist mir wohlbekannt. Ich nehme als Gorrest Fump an ihr Teil, wenn ich auch in letzter Zeit wenig in die Tabelle eingetragen habe. Ich habe hier im Blog auch schon einen Beitrag dazu geschrieben. 🙂 Viele Grüße Eric

      Gefällt 1 Person

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