Mein Körper hasst mich – Der Schlussstrich

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Mein Körper hasst mich – Der Schlussstrich

Die Überschrift klingt jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber genau diese Gedanken schossen mir beim Montagmorgenlauf durch den Kopf, als die Achillessehne meinte sagen zu müssen: “Huhu, hier bin ich. Hast du mich schon vergessen, Depp. Selbst schuld.” Den weiteren Dialog mit Ihr erspare ich euch an dieser Stelle. Es kamen ein paar unschöne Worte, die nichts mehr mit guter Erziehung zu tun haben, darin vor.

Ich fragte mich im Nachhinein “Warum tut er mir das an?”. Ich misshandle ihn nun wahrlich nicht. Ich ernähre mich gesund. Kuchen ist doch gesund, oder. ODER. Ich bewege mich ausreichend, mache Stabiübungen und Kraftsport, dehne mich, quäle mich auf der Blackroll, habe jetzt sogar dieses Yoga für mich entdeckt und übe mich in Mobilität nach Kelly Starrett. Auch wenn das jetzt vielleicht etwas viel klingt, habe ich nicht das Gefühl das dies eventuell zu viel sein könnte. All das tut mir gut, offenbar nur seelisch, macht mir Spaß und ich tue dies ohne Zwang. Natürlich auch nicht alles jeden Tag, außer Yoga.

Und nun wieder das. Dabei dachte ich, ich hätte es überstanden. Ich war schmerzfrei und war am laufen. Ich habe mir sogar schon wieder Gedanken über die Zukunft gemacht. Ich wollte langsam steigern. Dazu kommt es nun nicht.

Seit Januar bzw. seit es wieder einigermaßen ging, laufe ich mit einem selbstauferlegten Druck. Ich möchte unbedingt Dies und Das noch schaffen. Von einigen Dingen habe ich mich mittlerweile befreit, nun wird es Zeit sich auch vom Rest zu lösen. Viel ist nicht mehr übrig. Es bleibt nur noch der Berlin-Marathon der für dieses Jahr auf dem Plan stehen würde. Aber wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, ist dieses Vorhaben schon länger gescheitert. Es wäre ein Himmelfahrtskommando und ein Wagnis weiter daran festzuhalten und mich und meinen geschundenen Körper dahin bugsieren zu wollen.

Ich bin dieses Jahr noch keine zweistellige Kilometerzahl am Stück gelaufen. Mehr als 20 Wochenkilometer stehen auch nicht zu Buche. Was also will ich mich weiter quälen und am Vorhaben Berlin Marathon festhalten. Gestrichen.

*kurze Heulpause*

Das Laufen macht mir Spaß. Ich bin gern in den Schuhen und schrubbe Kilometer, aber Freude macht mir diese Sportart momentan nicht. Es ist zur Zeit eine Qual, seelisch wie körperlich. Ich werde mich auch von der Last Laufen befreien. Nein, ich gebe das Laufen nicht auf, habe allerdings mit dem Gedanken gespielt, aber ohne ein konkretes Ziel auf das trainiert werden muss, hoffe ich die Freude am Laufen wieder zu finden. Ich kann laufen, muss aber nicht.

Kurzfristig habe ich mir gestern noch einen Termin bei meiner Osteopathin erschlichen, den ich auch prompt am selben Tag noch bekam. Ihr erzählte ich zum x-ten mal was mich plagt und das ich mich auf der kompletten rechten Seite unbeweglich, steif, verhärtet fühle und ich auch das Gefühl habe durch irgendwelche Schonhaltung das Ganze zu verschlimmern. Dies bestätigte sich auch und sie entdeckte noch eine Blocklade in der rechten Hüfte. Ein paar gekonnte Handgriffe später war zumindest diese wieder etwas beweglicher.

Was passiert nun?

Ich werde weiter dem Yoga treu bleiben, auch die Mobilitätsübungen ins Programm nehmen und mir da ein paar Übungen ausguggen. Ich möchte endlich ein Leopard werden. Außerdem werde ich viel Zeit mit Essen verbringen und mich oft und viel auf die Suche nach Kuchen machen, diesen bei Erfolg auch vertilgen. Gelegentlich wird mir sicherlich auch eine Mannerschnitte dazwischenkommen. Ich werde mich dieser Versuchung nicht verweigern. Beim Laufen nehme ich es wie es kommt. Geht es, tue ich es, geht es nicht, ist es eben so. Kein Druck, dafür hoffentlich wieder viel Freude. Neben dem Essen kommt nun der Eisensport wieder ins Spiel. Mein zweit- drittliebstes Hobby. Ihm werde ich nun etwas mehr Zeit widmen – meine Frau wird es freuen, bin ich eh zu dünn geworden 😉

P.S. Während ich hier so schreibe, erzählt mir die Sehne eine Geschichte vom quälen und lacht hämisch.

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14 Kommentare zu „Mein Körper hasst mich – Der Schlussstrich“

  1. Moin moin,
    es klingt blöd ist aber so… Deine Sehen bzw. DEIN Körper hat die Schnauze voll von deinen Schuhen.
    Ich habe auch einmal dieses Problem gehabt und einige Orthopäden haben mir Einlagen ect. verpasst. Es wurde nur nicht besser… es wurde immer schlimmer.

    Das war 2009 und ich war am Boden zerstört. Dann sah ich im Internet einen Läufer aus den Staaten der in diesen komischen Dingern (FiveFingers) einen Ultramarathon lief. Ich informierte mich immer mehr und fand schließlich einen Händler der diese Dinger in Deutschland direkt aus den Staaten „original“ verkaufte.

    Im Sommer 2009 nahm ich diese Zehenschuhe mit in den Urlaub auf Ameland (NL). Ich konnte davor keine 100 Meter am Stück laufen ohne Schmerzen.

    Ich zog sie an und lief langsam los… was soll ich sagen, es tat am Anfang weh aber ich bzw. mein Körper spürte sofort eine Veränderung. Heute bin ich Beschwerdefrei solange ich nicht in Schuhen laufen gehe.

    Leider habe ich gerade jetzt wieder Probleme mit der Sehen. Und WARUM? Kann ich dir sagen.
    Wir waren 2 Wochen auf Ameland und dort habe ich richtig Kilometer barfuß und in FiveFIngers gemacht. Es waren 280 Kilometer in zehn Tagen. Am letzten Tag habe ich mir auf Schotter die Fußsohlen ein wenig versengt. Deshalb bin ich zu Hause in meine alten Salomo S-Lab2 (6300 Laufkilometer – hier der Artikel: https://bodhiswelt.com/produkttest/langzeittest-salomon-s-lab-2-vs-s-lab3/ ) geschlüpft und habe den Lauf „Rund um Ennepetal“ bestritten. Schon auf der zweiten Etappe merkte ich ein zeihen in der Sehne. Ich nahm Tempo raus und entschloss mich nach 42 Kilometer den Lauf zu beenden. In den letzten zwei Wochen war ich nur 2 mal laufen. Langsam geht es wieder und ich kann meine Strecken wieder laufen. Ich werde NIE wieder Laufschuhe anziehen. Dieses Momentum hat mir mal wieder gezeigt das es nicht gut ist Laufschuhe zu tragen.

    Viele Grüße
    Bodhi

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  2. Oh weh, deine Sehne ist ne doofe Kuh. Ich sehe aber in deinem Vorhaben auch sehr viel positives, irgendwie so „back to the roots“, ohne Stress, ohne Druck, den wir alle uns viel zu oft, in welcher Form auch immer, machen ohne auf etwaige Signale der Psyche oder des Körpers zu hören. Gutes Gelingen dabei – natürlich auch bei der Kuchensuche!
    Gruß von der Rennschnecke

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  3. Ach, mein Lieber, ich versteh dich so gut und kann das nachfühlen, wie es dir gerade geht. Aber dennoch denke ich, triffst du eine gute Entscheidung. Den Körper gegen seinen Willen zu etwas zwingen, hat selten funktioniert. Von daher gib dich dem hin, wonach es ihm gelüstet. „…werde ich viel Zeit mit Essen verbringen und mich oft und viel auf die Suche nach Kuchen machen“ – das ist ein Leitspruch, dem ich 100%ig zustimme. In meinem Fall verbinde ich das gern mit Wettkämpfen, die ein entsprechendes Verpflegungsprogramm aufweisen. Kopf hoch! Das wird wieder!

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    1. Ich danke dir für deine Worte. 🙂 Ich habe lange genug versucht ihn zu zwingen. Eine zeitlang ist das auch gut gegangen, jetzt wird es Zeit mal kürzer zu treten, aber es ist nicht das Ende. Mit dem Laufen habe ich noch eine Rechung offen. 🙂

      Vielleicht sollten wir mal über einen Kuchen-Marathon nachdenken. Das Ding wäre ratz-fatz ausgebucht 😀

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  4. Ach ich kann Dir das so nachfühlen, mich ärgert meine Achillessehne auch schon seit fast einem Jahr. Es ist wie bei Dir, mal besser, mal schlechter, aber nie ganz weg. Momentan geht’s ganz gut, aber ich hab auch beschlossen, dass ich es nach dieser Saison ruhiger angehen lassen werde und einfach sehe, was geht ohne etwas zu erzwingen und ohne mich für irgendwelche längeren Läufe anzumelden. Das wird mir hoffentlich wenigstens viel Frust ersparen.
    Dir von Herzen gute Besserung und dass Du ganz viel Kuchen findest. Kuchen ist immer gut! 😉

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    1. Danke dir. Irgendwann bekomme ich auch die Sehne in den Griff, wäre doch gelacht. Ruhig angehen lassen und keinen Druck mehr machen, den Kopf frei bekommen, die Freude wiederfinden. Das Läuferleben ist noch lang. Warum jetzt schon kaputt machen.

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  5. Deine Sehne sagt dir ja eigentlich nur: „ey, du machst was, das mir ganz und gar nicht nicht gefällt!“ und im Moment ist sie bestimmt noch arg beleidigt und verzeiht die kleinsten Belastungen nicht.
    Es wäre also sinnvoll herauszubekommen was wohl der Auslöser ist. Leichter gesagt als getan, schon klar. Aber wenn jetzt eh alle Ziele dahin sind (was ja sehr befreiend sein kann), mach doch erstmal eine längere Pause. Geh zb. soviel es möglich ist barfuss damit erstmal alles wieder in den Normalzustand kommt. Und überdenk deine Laufschuhe, vielleicht brauchst du was völlig anderes. Aber vor allem, vertrag dich wieder mit deiner Sehne 🙂 Ohne Quatsch, ich bin ein völlig pragmatischer Mensch, aber bin auch davon überzeugt, dass Heilungsprozesse durch eine positive Grundeinstellung zum Körper schneller gehen. Der hasst dich bestimmt nicht 😉
    Ich drück auf jeden Fall die Daumen dass du bald wieder auf den Asphalt kannst.

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    1. Danke für dein Feedback. Das sehen wir ziemlich ähnlich. Das mein Körper mich eigentlich nicht hasst ist mir schon bewusst 😉 und das eine positive Grundeinstellung entscheiden zu allem beiträgt dessen bin ich mir ziemlich sicher. Unser Kopf ist unsere Zentrale, wenn es da stimmt ist der Rest nur noch ein „Kinderspiel“. Eigentlich bin ich ein positiv denkender Mensch, klappt nur nicht immer. ich hoffe diese Einstellung im Bezug auf das Laufen wiederzufinden.

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  6. Och Mensch, das tut mir leid… 🙁
    Ich hoffe, Du findest zusammen mit deinem Körper die Freude wieder. Und du hast völlig Recht, einen Marathon bricht man nicht übers Knie. Manchmal muss die Vernunft siegen, auch wenn es wehtut.
    Viel Erfolg beim Kuchen suchen. 😁

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