Wer will, wer will, wer hat noch nicht – Startplatz zu verschenken

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Startplatz zu verschenken

Es ist schön, den Augen dessen zu begegnen, dem man soeben etwas geschenkt hat. (Jean de La Bruyère)

Nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf. Irgendwann sind alle Wettkämpfe gelaufen und man beginnt von neuem mit der Planung. Oftmals geht das ganze auch fließend ineinander über. Trotzdem müssen Wettkämpfe geplant werden, einige schon Monate vor dem eigentlichen Startschuss. Zu diesem Zeitpunkt weiß man nicht was in vielen, vielen Wochen sein wird. Berauscht vom ganzen Wettkampfeuphorismus, wahrscheinlich auch von den Erfolgen zurückliegender Starts oder auch in der Hochphase des Trainings meldet man sich voller Freude und Motivation bei den nächsten bekloppten Veranstaltungen an.

Leider kommt es manchmal auch so, dass durch ungeplante Ereignisse ein Wettkampf nicht angetreten werden kann. Die Ursachen hier liegen breit gefächert. Schlechte Vorbereitung, Zwischenfälle in der Familie, Terminüberschneidungen, Verletzungen und, und, und. Bei erst genannten könnte man noch die Ummeldung auf eine kürzere Strecke in Betracht ziehen, falls dies das Angebot hergibt und vom Veranstalter angeboten wird. Trotzdem steht wohl die Masse an Läufern vor einem Problem. Was tun mit meinem Startplatz?

Diese Entscheidund wird oftmals bis zum letzten Augenblick hinausgezögert. Man hofft auf ein Wunder oder sogar eine Wunderheilung. Man bangt ob sich der wichtigere Termin verschiebt, hofft das sich das Zwicken hier und da in Luft auflöst oder spielt mit dem Gedanken schlecht vorbereitet eine viel zu lange Strecke zu bewältigen – was möglichweise weitere Ausfälle nach sich zieht. Also eigentlich die schlechtere Variante.

Kommt dies alles nicht zum tragen, hat man mindestens zwei Möglichkeiten. Den Startplatz verfallen lassen, oder den Startplatz weitergeben.

Leider hat man bei bestimmten Veranstaltungen nicht die Möglichkeit seinen Startplatz weiterzugeben, also umzumelden. Dieser verfällt. Ich persönlich finde das eine der schlechtesten Regelungen. Sicher ist das mit einem höheren Aufwand für den Veranstalter verbunden, aber den Platz verfallen zu lassen ist meiner Meinung nach die schlechtere Option. Nun gut.

Wie es auch anders gehen kann zeigt die zweite Möglichkeit. Man kann den Startplatz auch verschenken, ummelden und jemanden anderes daran erfreuen lassen. Defintiv die bessere Möglichkeit.

Mich hat es dieses Jahr auch schon zweimal getroffen. Den Dresdner Citylauf musste ich auf Grund einer Krankheit in der Familie absagen. Hier hatte man leider nicht die Möglichkeit umzumelden, denn sonst hätte ich diesen Startplatz verschenkt. Den zweiten erst letztes Wochenende (verletzungsbedingt). Leipzig Marathon, verschenkt an einen fitten Läufer und er ist mit einer Zeit unter 3 Stunden ins Ziel gelaufen. Also hatte ich sogar direkten Anteil an solch einer Spitzenleistung. 😉 Noch dazu war dies sein dritter Marathon in 15 Tagen. Ein Geschenk das sich mehr als gelohnt hat.

Und dieses Verschenken läuft problemloser als mancher glauben mag. Im Falle des Leipzig Marathon reichte eine Mail an den Veranstalter und der Startplatz wurde umsonst und ohne weitere Kosten umgemeldet. Perfekter geht es kaum.

Man muss nur bestimmte Fristen einhalten. Bis fünf Minuten vor Start ist kostenloses ummelden kaum mehr möglich, aber trotzdem ist dies meist vor Ort gegen eine geringe Gebühr machbar. Man muss auch selbst nicht vor anwesend sein. Hier reicht eine Vollmacht, dass der Beschenkte die Unterlagen im Namen abholen und auf seine Person umtragen darf.

Klar, trennt man sich schweren Herzens und dies alles ist mit viel Wehmut verbunden, einen Startplatz abzugeben auf den man sich seit Monaten freut und natürlich versucht man bis zum Schluss an diesem Platz festzuhalten  Aber sind wir mal ehrlich, die wenigsten Starts platzen erst 3 Minuten vor der Angst. Wenn man sich hier so zeitig wie möglich informiert, kann man seinen Startplatz ohne viel Aufwand und unnötige Kosten weitergeben. Was bringt es denn, wenn er in irgendeiner Schublaude verstaubt. Man verschenkt viel mehr als den reinen Platz. Man verschenkt Freude und Augenblicke des Glücks.

Das soll nicht heißen, dass man Startplätze prinzipiell verschenken soll. Manche sind mit hohen Anmeldegebühren verbunden. Aber auch hier macht es, aus meiner Sicht, keinen Sinn sich an den Platz zu klammern. Eine Einigung über eine Entschädigung, oder sogar um die komplette Erstattung der Gebühren kann man nachdenken und einige Läufer die bei eventuellen Losverfahren kein Glück hatten oder sich bei Wettkämpfen anmelden wollten bei denen die Teilnehmerzahl schon erreicht war, freut sich wie eine kleines Kind über einen freigewordenen Platz an der Linie und ist gern bereit Kosten dafür zu übernehmen. Vielleicht erfüllt ihr jemandem damit einen langersehnten Traum und verhelft ihm zu unvergesslichen Momenten.

Einen Startplatz zu weiterzugeben ist also viel mehr als nur eine Win-Win Situation.

Und ich bin bei weitem nicht der Einzige der mit Startplätzen um sich wirft. Die Zahl der Gönner wächst. Wie ich jüngst erfahren habe, hat auch Daniel aka. Endurange dieses Jahr schon Tombola gespielt und seinen Platz für den Hamburg-Marathon mit Schleifchen verziert. Außerdem darf sich ein weiterer Läufer auf die vielen Kilometer beim Rennsteiglauf machen, auf den er gemeldet war. Auch, wenn ich mich nicht in den Kopf von Daniel einschleichen kann, denke ich es geht/ ging ihm ähnlich wie mir. Im Gesicht wird ein lachendes und weinendes Augen zu sehen gewesen sein.

Also, wenn ihr selbst nicht starten könnt – aus was für Gründen auch immer…

Gebt euren Platz weiter.

Es kostet euch nichts, ist mit wenig Aufwand machbar und bringt anderen Läufern Freude.

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4 Kommentare zu „Wer will, wer will, wer hat noch nicht – Startplatz zu verschenken“

    1. Das mit dem kurzfristig anmelden ist sicher eine gute Möglichkeit um zu sehen ob man sich der Strecken stellen kann. Was hier allerdings immer ein wenig davon abhalten könnte sind mitunter die hohen Anmeldegebühren so kurz vor Ende.

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      1. ja aber das ist immer noch billiger als letztendlich nicht zu starten und so merke ich gerade, dass man wirklich nicht jedes Wochenende an der Startlinie von irgendnem Wettkampf stehen muss. Man überlebt auch, wenn man nicht alles mitmacht:-)

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