Stand der Dinge – Ein weiterer Verletzungsbericht.

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Es gibt tausend Krankheiten, aber nur eine Gesundheit. (Ludwig Börne)

Blogger sind da um zu schreiben. Fashion-Blogger schreiben über Mode, Beauty-Blogger über das neueste Make-up und Sport-Blogger unter anderem über’s Laufen. Letztere Spezies würde den geneigten Leser am liebsten von Morgens bis Abends mit wundervollen Geschichten erfreuen. Hier ein erfolgreicher Wettkampf, zwischendrin noch locker-flockig einen Hunderter gerissen und so ganz nebenbei eine neue persönliche Bestzeit über 10 km. Das alles macht sie/er mit einem Lächeln im Gesicht, sieht dabei fantastisch aus und hat einen anbetungswürdigen Körper der das alles ohne Gezeter wegsteckt. Leider erlebt man dies nur in selten Fällen (Hallo Fredo :P) oder in einer wunderbaren Seifenblasenwelt, ausgepolstert mit Watte die herrliche rosa leuchtet – quasi in einem erschaffenen Traumland.

Leider müssen sporttreibende Schreiberlinge auch über Verletzungen berichten. Resultierend aus der Schwäche des Körpers schließen sich in den meisten Fällen Arztbesuche an. Auch diese werden von hinten bis vorn durchleuchtet und im nächsten Artikel erörtert. Da gibt es sicher welche die durchweg positiv sind und von prompter Heilung berichten – vielleicht ein Mythos – und welche die, sagen wir mal weniger postiv sind.

Auch ich plage mich seit geraumer Zeit mit einem Leiden und habe lange mit mir gerungen einen Heiler aufzusuchen. Heute war es endlich soweit, der Termin leuchtet im Kalender auf. Einen kurzen Einblick über den Stand der Dinge und über den heutigen Besuch lest ihr in den nächsten Zeilen. Ich fasse mich kurz – versprochen.

Gemacht war der Termin schnell – das Telefon macht dies möglich. Auch musste ich relativ kurz auf diesen Termin warten. In einem früheren Post lest ihr die Geschichte dazu. Besagter Tag war dann schnell gekommen. Ich deckte mich im Vorfeld mit ordentlich Proviant ein. Wasser, Snack und ein Buch gehören hier zur Grundausstattung und ich machte mich pünktlich auf den Weg. Ein paar Minuten zu zeitig zeigte ich meine Plastikkarte und setzte mich zum gemeinen Pöbel. Der Privatbereich blieb mir verschlossen. Ein erster Blick und mir lief es kalt den Rücken runter – voll. Zum Glück “streiten” sich in dieser Praxis mehrere Ärzte um die Patienten. Ich setzte mich, kramte mein Buch hervor (Murakami – zäh wie Kaugummi) und begann zu lesen.

Nicht zum ersten mal war ich Gast in dieser Praxis, die eigentlich keine ist. Es ist mehr ein Notfallzentrum. Unter anderem behandelt hier der Mannschaftsarzt von RB Leipzig. Bei dem hatte ich mal versucht einen Termin zu bekommen, bin aber abgeblitzt – vielleicht behandelt er nur privat. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall war ich dann bei einem Kollegen der mich damals wegen eines Hüftschmerzes untersucht hat. Seines Zeichens Sportmediziner mit einem guten Ruf. Zum damaligen Zeitpunkt habe ich mich recht gut aufgehoben gefühlt und hatte auch das Gefühl nicht ein Patient zweiter Klasse zu sein. Er fand zwar nichts, riet mir aber zur Physio und zeigte mir ein paar Dehnübungen. Nach einer Weile war der Schmerz weg und ich konnte wieder befreit auflaufen – wie groß der Anteil vom Doc hier war. Ich möchte es nicht beurteilen, aber ich erinnerte mich positiv an den Termin. Warum also keine zweite Chance geben.

Kaum hatte ich mich gesetzt und zwei Seiten gelesen hörte ich meinen Namen und wunderte mich kurz. Ersten Gedanke “Hatte ich was vergessen. Chipkarte defekt.” Nein, ich durfte tatsächlich in ein zweites Wartezimmer bzw. in einen Wartegang. Der erste Schritt war getan. Buch wieder raus und weiterlesen. Hier wartet ich noch ca. 20 Minuten, was aber durchaus vertretbar war. Die gesamte Wartezeit betrug ca. 30 Minuten, dann durfte ich ins Behandlungszimmer.

Hier musste ich nicht weiter warten und der Doc begrüßte mich freundlich. Schneidig und mit einer Sportuhr am Handgelenk stand er da und hörte sich geduldig meine Leidensgeschichte an. Schielte dabei auf die Garmin und das Band vom Berlin-Marathon an meinen Handgelenken. Er fragte in wie weit ich es belasten könne. Musste ihm aber sagen, dass ich es nicht bis zum äußersten getrieben hatte und Belastung vermieden habe. Also Hose runter und ab auf die Liege. Er machte sich ans linke Knie. Untersuchte, werkelte, ich musste anwinkeln und strecken, durfte von der Liege aufstehen und ein paar Bewegungen machen und vom Schmerz bzw. vom Zustand oder besser gesagt vom Gefühl im Knie berichten. Er setzte noch das Ultraschall an, fand aber nichts.

Jetzt kommen wir zum beruhigenden Teil der Geschichte. Er erzählte mir das die Bänder, der Knorpel und der Meniskus, soweit er erkennen kann, nicht beschädigt sind. Nun zu einer Aussage die ich nicht richtig glauben kann oder wahrscheinlich auch nicht glauben möchte. Er sagte “Eventuell beginnender Verschleiß” … HÄ? Aber im selben Atemzug sagte er “Und wie würden sie damit umgehen?” Sein Blick, seine Gestik und der Ton in der Stimme gaben die Antwort… Ignorieren. Er würde es genauso tun. Um bessere Klarheit zu bekommen schickt er mich ins MRT und wollte dies auch direkt abgehandelt haben – griff zum Telefon und wählte eine Nummer im Hause. Leider hatten die Kollegen an diesem Nachmittag keine Zeit mehr oder schon Feierabend. Schade. Er wählte eine zweite Nummer und machte mir einen Termin in 12 Tagen in einer anderen Klinik – Abends 21 Uhr. Gab mir noch ein Rezept für Physio und eine Überweisung zum MRT. Händeschütteln und auf Wiedersehen – bis zu Auswertung des MRT – irgendwann Anfang März. Er gab mir noch auf den Weg das ich laufen könne, wenn ich denn möchte und soweit es die Belastung, besser gesagt das Knie, zulässt.

Das war es also, kurz und knapp. Mein Survivalpaket habe ich nicht benötigt und auch sonst kann ich nichts negatives berichten. Ich muss sogar ein paar lobende Worte loswerden. Ich habe noch nie erlebt, dass sich ein Arzt direkt um einen MRT-Termin bemüht und diesen sogar noch am selben Tag haben möchte. Einzig die Aussage das ich laufen könne macht mir etwas zu schaffen. Über die Qualität der Untersuchung und ob er mich ausreichend in Augenschein genommen hat, darüber kann ich nichts sagen. Habe aber nicht das Gefühl abgefertigt wurden zu sein.

Kann ich nun laufen oder kann ich nicht. Er steckt nicht in mir drin und auf jeden Fall ist da was im Knie – aber was. Ich bin zum einen Teil schlauer, zum anderen Teil weiter verunsichert. Zur Zeit merke ich es nur unter Belastung, nicht beim normalen Gehen oder im Alltag. Ich habe das Gefühl es wird besser, oder ich rede mir das nur ein. Nun ist guter Rat teuer. Wir werden sehen was weiter passiert…

…to be continued.

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13 Kommentare zu „Stand der Dinge – Ein weiterer Verletzungsbericht.“

    1. Und so einen zu finden ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Ich hoffe mit ihm einen gefunden zu haben, hoffe aber auch ihn nicht zu besuchen zu müssen. Es geht bald wieder aufwärts. Danke dir 🙂

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  1. Auch mal ganz erfrischend von einem Arzt zu lesen, der Sportler versteht. Letztlich gehört der Arzt zum Placebo (bzw Nocebo) Effekt dazu. Wenn er authentisch ist und man sich gut aufgehoben fühlt ist alles was kommt schon mal besser.

    Die Qualität der Behandlung kann man aber eh nie abschätzen. In meinen Gedankengängen hab ich in letzter Zeit viel gewühlt und mich gefragt wo wirklich ein Arzt beim Sportverletzten geholfen hat oder wo die Zeit alle Wunden heilt.

    Ich würde an deiner Stelle laufen – denn die Empfehlung hab ich damals bei meinem Knie auch von einem Sportmediziner bekommen. Ich sollte quasi kürzer aber öfter laufen. Hat geholfen.
    Wenn es schlimmer wird – dann lass es bleiben wenn es gleich bleibt dann vielleicht kürzen.

    Egal was du tust. Ich drück dir die Daumen. Das Lazarett muss wieder kleiner werden.

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    1. Es scheint sie tatsächlich zu geben. Auch wenn ich im Vorfeld auch schon einige schlechter Erfahrungen verbuchen musste. Besonders beeindruckt hat mich der Umstand, dass er mich von der Liege direkt ins MRT verfrachten wollte und da dies nicht funktioniert hat, sich um einen zeitnahen Termin gekümmert hat. Laufen werde ich versuchen, auch wenn die Ohren am Knie kleben werden. Vielleicht weiß ich bald mehr.

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  2. Das klingt echt super! Viel Erfolg und bessere Resultate wünsche ich dir aus dem MRT … Meine sind nicht so berauschend …
    Lauf einfach wie es die Knochen zulassen! Und viel viel Spaß dabei !!

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  3. Hmm Arzt sagt „laufen“, Knie sagt „nein“? Oh mann, da bleibt dir nur weiter probieren und vorsichtig steigern. Ich hoffe mal dass das MRT endlich zeigt was nicht stimmt.

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      1. so spontan würde ich sagen bis zum Schmerz und nicht weiter, allerdings kannst nur du selber den Schmerz halbwegs einordnen und bewerten. Kennt man ja, Schmerzen kommen und gehen beim Laufen oft auch schon auf den ersten Kilometern.

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