Seid gegrüßt, ihr Todgeweihten.

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Bevor dieser Artikel in die Vollen geht, möchte ich dem geneigten Leser ein ACHTUNG!!! mit auf den Weg geben.

Die nächsten Zeilen enthalten wohlmöglich Sarkasmus, Ironie und schrammen knapp an der Ernsthaftigkeit. Möglicherweise wird sogar etwas übertrieben. Dies heraus zu filtern wird dem eigenen Kopf überlassen. Parallelen zu real existierenden Personen sind rein zufällig. Smileys und Emojis werden diesen Text nicht zieren. Zu sehr würde es auf falsche Pfade führen… Ach, was soll die lange Vorrede, dass muss reichen, alles andere liegt bei euch.

Läufer… und da geht es schon los. Kann man den folgenden Artikel wirklich nur auf die laufende Fraktion anwenden? Ich neige fast dazu, zu behaupten es betrifft jeden der ernsthaft Sport betreibt. Es wird aber vorrangig aus laufender Sicht beleuchtet… Läufer und Läuferinnen.

Jetzt aber.

Läufer haben ein schweres Los gezogen. Schon ab dem ersten Gedanken der an’s Laufen verschwendet wird sind sie gequälte Seelen, arme Geschöpfe. Hat man vom Laufschuhsport einmal Blut geleckt ist es quasi schon vorbei. Pläne werden gewälzt, Tagebuch geführt, Zeiten gerechnet.Tagelang, wochenlang, jahrelang quält er sich über die Strecke. Er trainiert zu jeder Tag- und Nachtzeit. Uhrzeiten sind ihm fremd. Regen, Schnee, Hitze egal welches Wetter der Himmel zu bieten hat, der Läufer schnürt die Schuhe und stürzt sich wagemutig der Lage entgegen. Kaum das er mal ein paar Minuten Erholung hat, plagt er sich mit Wettkampfgestaltung. Stundenlang grübelt und recherchiert er im Internet. Welchen Kampf möchte ich aufnehmen? Wie könnte ich meinen Körper am Besten schinden? Kein Weg ist zu weit, kein Berg ist zu hoch. Er fährt und fliegt um die Welt damit er sich mit Leidgeplagten duellieren kann. Er schläft in merkwürdigen Herbergen, futtert pappige Gels. Zu allem Überfluss benutzt er moderne Foltergeräte, damit sein Körper perfekt auf die kilometerlangen Strapazen eingestellt ist.

Dem allem wird die Krone mit der Ausrüstung aufgesetzt. Schuhe, Uhren, Shirts, Hosen, Socken, Funktionskleidung… und… und… und. Was ist das Beste für mich? Welche Schuhe tragen mich am weitesten? Welche Uhr ist die umfangreichste? Fragen über Fragen. Eine Entscheidung nach der anderen muss getroffen werden. Preise werden verglichen. Er probiert im Laufe seiner “Karriere” hunderte Paar Schuhe. Steckt das sauer verdiente Geld in seine Leidenschaft.

Dies alles tut er mit einem Lächeln. Er erträgt es, weil er es liebt.

Nun kommt aber das Unausweichliche. Das was dies alles in ein anders Licht rückt. Quasi die Schattenwelt. Die dunkle Seite, wenn ihr so wollt.

Über dem Läufer schwebt ein riesiges Damoklesschwert, eine Guillotine scharf wie die Rasierklinge. Mir komme die Worte schwer über die Finger…

…er ist dem Tode geweiht!!!

So, Mund wieder zu.

Schaut euch mal einen Läufer an. Dürr, abgemergelt, eine halbe Portion. Selbst Größe XS ist ihm an den Schultern zu breit. Wenn man ihn so sieht möchte man schreien “ISS WAS!!!”

Und hiermit sind wir bei der eigentlichen Kernaussage, dieses Textes, gelandet.

Viele Läufer, auch solche die auf Hobbyebene diesen Sport betreiben, sehen sich früher oder später wundervollen Aussagen gegenüber gestellt. Perfekt geformte Worte die, mehr oder weniger, lieblich aus Münder in die Welt des Sportlers posaunt werden. Gepaart mit weit aufgerissenen Augen, die der ganzen Aussage die nötige Würze verleihen. Sie dringen weit in den Kopf und hallen wie ein Echo im Wald. Rufen jedoch tiefes Entsetzen hervor.

“Du bist doch krank?”

“Mein Gott bist du dünn geworden.”

“Du siehst aber schrecklich aus.”

“Alles gut bei dir?”

„Das kann doch nicht gesund sein.“

Nur ein kurzer Auszug einer Liste die noch seitenlang weitergeführt werden könnte.

Das Ganze könnte man jetzt noch ausarten lassen, wenn sich der Spargeltarzan dann auch noch gesund ernährt. Da wird das Stück Kuchen auch mal dankend abgelehnt und er erntet dafür, kauend und schmatzend, schiefe Blicke.

Und da diese “Anschuldigungen” leider kein Einzelfall sind, sondern sich wie ein roter Faden durch das Läuferleben ziehen, könnte man irgendwann auf den Gedanken kommen doch langsam mal Probeliegen zu müssen, denn dieses Schwert schwingt ja nicht umsonst über dem Haupt. Die, die mit dem Zeigefinger wedeln müssen es ja wissen.

Eine Sache wird dabei völlig außer Acht gelassen. Der hundsverrückte Läufer fühlt sich wohl in seiner Haut. Er tut das was er tut mit Leidenschaft, Hingabe und dem eisernen Willen das Beste für das zu geben was er liebt. Ihm macht es Spaß länger zu laufen als das Auto lang ist. Natürlich rennt er sich sie Seele aus dem Leib, als wäre der Sensenmann persönlich hinter ihm her wäre, aber nicht weil er krank ist oder dem Sterben nahe. Nein, er tut es…

…weil es fetzt.

…weil die Jagd nach Bestzeiten beflügelt.

…weil es Verrückte gibt die seine Leidenschaft teilen.

…weil der Stolz ihn trägt.

…weil er es kann…………

Und trotzdem ist der Läufer ein Mensch und keine Spezies von einem fernen Planeten. Er ist leicht verrückt… leicht gestört…  ähm… total gestört… ähmmm… total bekloppt, aber trotzdem einer der heimlich Kuchen isst und den man einfach gern haben muss, auch mit 3 Kg zu wenig auf den Rippen.

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2 Kommentare zu „Seid gegrüßt, ihr Todgeweihten.“

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